Die USA haben ihren Truppenabzug aus Afghanistan abgeschlossen und ihren Militäreinsatz in dem Land damit nach 20 Jahren beendet. Eine letzte US-Militärmaschine hob in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit Afghanistan; Montagnachmittag Ortszeit Washington) vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ab, wie der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, Kenneth McKenzie, sagte. Damit ist auch die militärische Evakuierungsmission abgeschlossen.

Der US-Botschafter habe mit dem letzten C-17-Flugzeug das Land verlassen, sagte am Montag McKenzie, Chef des für die Region zuständigen Central Command. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters aus US-Kreisen von dem Abschluss des Abzugs nach dem mit fast 20 Jahren längsten Krieg der US-Geschichte erfahren. Die USA und ihre Verbündeten hätten mehr als 120.000 Zivilisten außer Landes gebracht, sagte McKenzie weiter. Die Deutsche Bundeswehr hatte am Donnerstag ihren Evakuierungseinsatz abgeschlossen.

Nach Angaben des Weißen Hauses vom Montag brachten die USA und ihre Verbündeten bei der Evakuierungsmission seit dem 14. August rund 116.700 Menschen in Sicherheit. Immer noch befinden sich aber Zehntausende Menschen in Afghanistan, die vor den Taliban fliehen wollen - bei den meisten handelt es sich im Afghanen.

Österreicher außer Landes gebracht

110 österreichische Staatsbürger und Menschen mit Aufenthaltstitel in Österreich wurden bisher außer Landes in Sicherheit gebracht. Das sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). Weiterhin würden einige Dutzend auf die Ausreise warten, ebenso würden sich weiter täglich neue Menschen melden, die nach Österreich ausreisen wollten. Bei den noch Wartenden handle es sich sowohl um österreichische Staatsbürger als auch jene mit Aufenthaltstitel.

Die USA und die westlichen Partner haben wiederholt betont, dass es auch nach dem Ende des Einsatzes die Möglichkeit geben soll, Menschen in Sicherheit zu bringen. Der UN-Sicherheitsrat erhöhte am Montag den Druck auf die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan, die Menschenrechte zu wahren und Ausreisewillige ungehindert passieren zu lassen. In seltener Einigkeit verabschiedete das mächtigste UN-Gremium eine entsprechende Resolution.

US-Präsident Joe Biden hatte im April angekündigt, alle US-Soldaten spätestens bis zum 11. September bedingungslos aus Afghanistan abzuziehen. Das Datum markiert den 20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, die den US-geführten Militäreinsatz in Afghanistan auslösten. Auch die Nato kündigte daraufhin an, den von ihr geführten internationalen Einsatz zu beenden. Im Juli zog Biden das Datum für das vollständigen Abzug auf den 31. August vor.

Rücknahme nicht asylberechtigter Afghanen

Nach Bidens Ankündigung legte der Siegeszug der Taliban noch an Geschwindigkeit zu, die militanten Islamisten übernahmen eine Provinzhauptstadt nach der anderen - oftmals leisteten die afghanischen Sicherheitskräfte wenig oder keinen Widerstand. Am 15. August floh der afghanische Präsident Ashraf Ghani ins Ausland, die Taliban marschierten kampflos in der afghanischen Hauptstadt Kabul ein und besetzten den Präsidentenpalast. Die US-Botschaft wurde geschlossen, die Diplomaten flohen an den Flughafen.

Der Flughafen in Kabul blieb auch nach der Machtübernahme der Taliban unter Kontrolle der US-Truppen. Die USA flogen 5000 zusätzliche Soldaten ein, um die Evakuierungen abzusichern. US-Kommandeure koordinierten sich dabei mit den Taliban. Bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am vergangenen Donnerstag wurden vor dem Flughafen Dutzende Afghanen und 13 US-Soldaten getötet. Der IS und die Taliban sind miteinander verfeindet.

Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid sicherte unterdessen die Rücknahme nicht asylberechtigter und möglicherweise straffälliger Afghanen aus Österreich und Deutschland zu. Im Interview mit der "Kronen Zeitung" (Montagabend online) bejahte er eine entsprechende Frage. "Ja. Sie würden einem Gericht vorgestellt werden. Das Gericht muss entscheiden, wie es mit ihnen weitergeht", sagte Mujahid. 1996 bis 2001 regierten die Taliban in Afghanistan mit extrem strikter Auslegung der Scharia. (APA/AFP/dpa/reuters)