Wassermassen strömen die Treppen hinunter in die U-Bahn-Stationen, sammeln sich auf den Schienen und bilden dort schmale Bäche. Auf den Straßen versuchen Busse, sich ihren Weg durch die Flut zu bahnen. Vereinzelt stehen Passagiere auf ihren Sitzen, während unter ihnen das Wasser den gesamten Boden kniehoch füllt. Es ist der stärkste Regen in New York seit Beginn der Aufzeichnungen. Und er hat bisher mindestens elf Todesopfer in den Bundesstaaten New York und New Jersey gefordert. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio, der in der Nacht auf Donnerstag kurzfristig den Notstand ausgerufen hat, spricht von "brutalen Überflutungen".

Die Bilder aus der Stadt erinnern an den verheerenden Hurrikan "Sandy", der 2012 große Teile New Yorks verwüstete und knapp 70 Todesopfer forderte. Schon damals zeigte sich, wie verwundbar die gleich an zwei großen Flüssen gelegene Metropole bei Extremereignissen ist. Ereignisse, die durch den Klimawandel weiter zunehmen. Stürme, die ihre Energie aus immer wärmeren Ozeanen ziehen können, treffen Küstenstädte wie New York mit immer stärkerer Wucht. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel weiter an. Experten zufolge könnte der Wasserpegel bis 2100 um 1,80 Meter steigen - mit entsprechend Folgen für New York. So gehen die amtlichen Prognosen davon aus, dass im 2050 rund 37 Prozent der Gebäude an Manhattans Südspitze durch Sturmfluten bedroht sind. 50 Jahre später könnten bereits 20 Prozent der dortigen Straßen täglich überflutet werden.

New York plant Maßnahmen

Dass das Problem drängt, ist auch den Stadtverantwortlichen klar. Schon seit Jahren beschäftigen sich Politiker und Experten mit der Frage, wie sie die Stadt vor den Wassermassen schützen können. Mehrere Milliarden Dollar hat die Stadt bereits investiert, um Stromnetze und andere Infrastruktur wie U-Bahnen oder Hafenanlagen vor Überflutungen zu schützen. Auf der Halbinsel Rockaways im Stadtteil Queens und auf Staten Island wurden bereits über 15 Kilometer künstliche Sanddünen angelegt, um die Küstenlinie zu verstärken. In anderen Gebieten, etwa in Brooklyn und nahe der Wall Street, hat die Stadt sandgefüllte Container aufgestellt, die als provisorische Barrieren kurzfristig gegen Überschwemmungen helfen sollen.

New York verfolgt jedoch auch noch weitaus ambitioniertere Projekte. Im Frühling starteten die Bauarbeiten am East River Park. Um die Anlage vor Überflutungen und dem steigenden Meeresspiegel zu schützen, wird der Park zunächst abgerissen, um ihn dann neu aufzubauen. Dann soll er jedoch knapp zweieinhalb Meter höher liegen als bisher. Das Projekt, gegen das sich bereits Widerstand gebildet hat, soll 2025 fertiggestellt werden. 13 Jahre nach Hurrikan "Sandy".

Noch weiter gehen die Pläne des Army Corps of Engineers, das seit Jahren überlegt, wie der Großraum New York künftig besser geschützt werden kann. Der vor knapp einem Jahre vorgestellte Plan der US-Militäringenieure sieht vor, ein gigantisches Schleusensystem weit draußen vor der Küste zu errichten. Nähert sich ein Sturm, schließen sich die auf künstlichen Inseln zwischen Rockaways und New Jersey errichten Wehranlagen und halten so die Wassermaßen ab.

Laut den Experten der Armee würde das riesige Schleusensystem die Flutgefahr um 92 Prozent reduzieren. Umweltexperten warnen hingegen, dass die Barrieren etwa Abwasser und Giftstoffe einschließen und damit die Wasserqualität in den New York vorgelagerten Buchten gefährden könnten. Zudem befürchten sie, dass die Anlagen maritime Ökosysteme gefährden und etwa Strömungen beeinflussen. Auch wer das 120 Milliarden Dollar teure Projekt bezahlen soll, ist derzeit noch unklar. Die Stadt müsste die Kosten gemeinsam mit den Staaten New York und New Jersey sowie der Bundesregierung stemmen.

Schon bald obsolet?

Zudem wird geschätzt, dass der Bau des Projekts 25 Jahre beanspruchen würde. Eine Zeitspanne, in der sich die Barriere wieder als obsolet erweisen könnte, falls der Meeresspiegel doch stärker steigen sollte als erwartet. Zwar gibt es Ideen für schnellere und günstigere Maßnahmen wie etwa Renaturierungsprojekte in Ufernähe. Kosten, Zeit und Nutzen bleiben jedoch auch hier kritische Variablen.