Kabul. Die Zeit der Verhandlungen sind vorbei, jetzt sprechen die Waffen: Im afghanischen Pandschirtal, 170 Kilometer nördlich von Kabul, haben sich die letzten Taliban-Gegner von der "Nationalen Widerstandsfront" (NRFA) verschanzt. Alle Bemühungen, einen friedlichen Ausweg zu finden, sind gescheitert. Man ist nicht bereit, sich den neuen Machthabern zu unterwerfen.

Die Taliban haben bereits am vergangenen Sonntag hunderte Kämpfer in Marsch gesetzt, um die Provinz unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie stoßen auf erbitterten Widerstand. Und die Verteidiger haben einige wichtige Vorteile auf ihrer Seite: Die Eingänge zu dem Hochtal sind eng und gut zu verteidigen, über die Bergkämme ist kaum ein Durchkommen. Auch schwere Waffen sind hier nicht einsetzbar. Die Kämpfer der NRFA hingegen verfügen im Talkessel über gepanzerte Geländefahrzeuge. Zahlreiche Soldaten der afghanischen Armee sind im August in das Tal geflüchtet und verstärken die Reihen der Verteidiger.

Zum Kampf entschlossen

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Noch wichtiger aber ist der Umstand, dass die Verteidiger des Pandschir-Tals - anders als die Einheiten der afghanischen Armee - bis zum letzen Blutstropfen kämpfen wollen. An der Spitze einer Truppe von rund 9.000 Mann steht Ahmad Massoud, dessen Vater bereits den Taliban und noch früher den Sowjets Widerstand geleistet hat. Weder der Roten Armee noch den Gotteskriegern ist es jemals gelungen, das Tal zu erobern. Die Taliban haben das Gebiet von der Umgebung weitgehend abgeriegelt, die Meldungen vom aktuellen Kampfverlauf sind widersprüchlich. Die Taliban melden erste militärische Erfolge, während die Kämpfer der Nationalen Widerstandsfront darauf beharren, dass sie weiter alle Eingänge zum Tal unter ihrer Kontrolle haben. Beide Seiten berichten jeweils von schweren Verlusten des Gegners.

Ahmad Massoud hat das Ausland um Hilfe gebeten, es erscheint nicht ausgeschlossen, dass er solche auch erhält. Indien etwa hat kein Interesse daran, dass die Taliban das ganze Land kontrollieren.

Anders als der Vater hat Massud junior keine Kampferfahrung - dafür verfügt er über Bildung. Er hat die britische Militärakademie Sandhurst absolviert und am King’s College studiert. Und er ist wild entschlossen, das zum Mythos gewordene Erbe seines Vaters - des legendären "Löwen von Pandschir" - weiterzutragen.