Die Europäische Union will ihre Nothilfe für Afghanistan fortsetzen - die neue Taliban-Regierung aber genau im Auge behalten. "Die Europäische Union ist bereit, weiter humanitäre Hilfe zu leisten", sagte der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maros Sefcovic, Mittwoch. Längerfristig hingen Gelder davon ab, ob die Machthaber in Kabul Grundfreiheiten aufrechterhielten. "Wir schauen uns sehr, sehr genau an, wie sich die neue Regierung verhält, bevor wir uns engagieren."

Die Vereinten Nationen hatten jüngst mitgeteilt, Afghanistan stehe vor dem Zusammenbruch der Grundversorgung. Zudem würden Nahrungsmittelhilfen und andere Unterstützungen bald auslaufen. Deutschlands Außenminister Heiko Maas warnte vor einer humanitären Krise. Die radikal-islamischen Taliban haben Mitte August die Kontrolle über das Land übernommen und am Dienstag eine Übergangsregierung vorgestellt.

Taliban stellte rein männliche Regierung vor

Die Taliban hatten am Dienstag 33 Regierungsmitglieder vorgestellt, darunter keine Frau, niemand aus einer anderen politischen Gruppierung und niemand etwa aus Minderheit der Hasara. Davor hatten sie davon gesprochen, eine "inklusive Regierung" aufstellen zu wollen.

Für die EU ist das Vorgehen der neuen Machthaber unter anderem deswegen ein Rückschlag, weil sie eigentlich so schnell wie möglich wieder Entwicklungshilfezahlungen ermöglichen will. Damit sollen eine humanitäre Katastrophe und Fluchtbewegungen in Richtung Europa verhindert werden.

Auf der Liste der Kabinettsmitglieder stünden "ausschließlich Personen, die Mitglieder der Taliban oder ihrer enger Verbündeter sind und keine Frauen", erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums laut Medienberichten vom Dienstag (Ortszeit). Auch Deutschland zeigte sich unzufrieden.

18 Millionen Euro Soforthilfe aus Österreich

Zur Bekämpfung der humanitären Krise in Afghanistan und der Region hat die Bundesregierung im Ministerrat am Mittwoch 18 Millionen Euro Soforthilfe beschlossen. Die Mittel des Auslandskatastrophenfonds (AKF) sollen "sofort und unbürokratisch" zur Verfügung stehen, teilte das Außenministerium in einer Aussendung mit. Zehn Millionen Euro davon gehen an das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR), fünf Millionen Euro an UN Women und 3 Millionen Euro an das UN-Welternährungsprogramm.

"Wir wollen in der Region helfen und dadurch weitere Fluchtbewegungen nach Europa verhindern," sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Stellungnahme. Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) ergänzte: "Die Lage der Frauen und Mädchen, der Flüchtlinge und die Ernährungslage für ein Drittel der Bevölkerung sind alarmierend. Das macht die internationale humanitäre Hilfe so dringend notwendig." (apa, dpa, reuters)