Wie nahe Reichtum und Bettelstab beieinanderliegen können, zeigt sich nicht zuletzt im Süden der Arabischen Halbinsel. Am Montag war Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg im mehr als wohlhabenden Oman zu Gast - ein reiches, Erdöl förderndes Land, an das im Westen der bitterarme Jemen grenzt.

Dort gibt es nur wenig von dem "schwarzen Gold", vor allem aber herrscht seit 2015 ein verschärfter Bürgerkrieg. Die Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden, und die Regierung, die Hilfe vor allem von den Saudis bekommt, liefern einander heftige Gefechte. Dabei wurden bereits zehntausende Menschen getötet, Millionen sind im Land auf der Flucht. Die Huthis gehen immer wieder in die Offensive und greifen Ziele in Saudi-Arabien auch mit Drohnen an. Außenminister Schallenberg verurteilte zuletzt in Riad diese Angriffe.

Millionen Jemeniten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. - © afp
Millionen Jemeniten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. - © afp

Saudische Blockade

Allerdings sind im Jemen in der Vergangenheit durch saudische Angriffe unzählige Zivilisten getötet worden. Riad und die arabische Allianz haben Mitschuld an der verheerenden humanitären Lage im Land, weil sie den Jemen von der Umgebung abgeschnitten haben. Das vor allem, um zu verhindern, dass der Iran weiter Waffen an die schiitischen Huthis liefert.

Die UNO - und auch der Oman - bemühen sich seit Jahren um eine Beilegung des Konflikts, bisher ohne großen Erfolg. Seit Anfang September ist ein neuer UN-Sondergesandter, der schwedische Diplomat Hans Grundberg, für den Jemen zuständig. Die Saudis haben ihm zwar volle Unterstützung zugesagt - was in der Realität nicht viel zu bedeuten hat. Das Ziel, so die Saudis, sei Frieden. Allerdings müssten die Huthis zuvor ihre Angriffe einstellen. Außerdem, so der saudische Standpunkt, würden die Huthis nicht die Interessen der jemenitischen Bevölkerung vertreten. Die Huthis ihrerseits wollen erst dann ernsthaft verhandeln, wenn die arabische Koalition die Blockade des zentralen Flughafens in Sanaa einstellt. Derzeit wird zwischen Huthi-Rebellen und Armee wieder erbittert um die strategisch wichtige Stadt Marib gekämpft, allein diese Woche gab es 80 Tote.

Am meisten leidet die Zivilbevölkerung. 16 Millionen Menschen hungern, die Vereinten Nationen stufen die Lage als schwerste humanitäre Krise der Welt ein. Die Lebensmittelpreise schießen laut dem Welternährungsprogramm WFP durch die Decke. Die Benzinpreise sind derzeit um 90 Prozent höher als vor einem Jahr, was den Transport und damit auch die Lebensmittel weiter verteuert. Laut UNO haben mehr als 40 Prozent der Einwohner im Jemen nicht genug zu essen. 2,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind akut unterernährt, ebenso mehr als eine Million schwangere und stillende Mütter. Oft ist es so, dass Mahlzeiten gestrichen werden oder dass Erwachsene auf ihre Nahrung verzichten, um ihren Kindern das Überleben zu ermöglichen.

Hilfsgelder aus Österreich

Zu der permanenten Unterernährung kommen verschiedene Krankheiten wie die Cholera. Ohne rasche ärztliche Behandlung könnten 400.000 Kinder sterben, warnen die Vereinten Nationen. "Der Krieg verschlingt eine ganze Generation", erklärte zuletzt UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Kinder betteln auf den Straßen, Buben schließen sich bewaffneten Gruppen an, Mädchen müssen sich prostituieren.

Bei einer Geberkonferenz im März sind 1,7 Milliarden Dollar an Spenden zusammengekommen. Ein "enttäuschendes" Ergebnis, wie Guterres betonte: Man hätte mindestens 3,85 Milliarden Dollar für die Nothilfe benötigt. Immerhin hat Österreich 6 Millionen Euro an Hilfen bereitgestellt. 5 Millionen davon sind an das Internationale Rote Kreuz (IKRK) gegangen, wie Vera Mair vom Roten Kreuz im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagt.

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Das IKRK habe im ersten Halbjahr 2021 unter anderem die Wasserversorgung für 3,7 Millionen Menschen sichergestellt. 250.000 Menschen seien mit Nahrung versorgt worden, 31 Spitäler mit Medikamenten und mit Ausrüstung. "Dazu haben die 5 Millionen Euro aus Österreich einen wesentlichen Beitrag geleistet", sagt Mair.