Die Taliban in Afghanistan sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Darunter fielen gezielte Tötungen von Zivilisten und sich ergebenden Soldaten sowie die Blockade humanitärer Hilfslieferungen im Panjshir-Tal. Auch die Rechte von Frauen, die Meinungsfreiheit und die Zivilgesellschaft seien erneut eingeschränkt worden, teilte Amnesty am Dienstag mit.

"In den gut fünf Wochen seit der Übernahme der Kontrolle über Afghanistan haben die Taliban deutlich gezeigt, dass es ihnen mit dem Schutz und der Achtung der Menschenrechte nicht ernst ist", sagte Dinushika Dissanayake, stellvertretende Direktorin von Amnesty International für Südasien. Trotz der Versprechungen, dass die Rechte der Frauen im Rahmen der Scharia geachtet würden, seien die Frauenrechte bereits stark eingeschränkt. Das Klima der Angst führe bereits dazu, dass viele afghanische Frauen jetzt die Burka tragen, das Haus nicht mehr ohne männlichen Vormund verlassen und andere Aktivitäten einstellen, um Gewalt und Repressalien zu vermeiden.

Forderung nach Untersuchung

Für ihren Bericht sprachen die Menschenrechtsexperten unter anderem mit einem afghanischen Menschenrechtsverteidiger, dem es gelungen ist, das Land zu verlassen. Auch zwei in Kabul lebende Journalistinnen, mit denen Amnesty International sprach, berichteten von den Drohungen und Einschüchterungen, denen sie nach der Machtübernahme der Taliban ausgesetzt waren. Amnesty forderte den UNO-Menschenrechtsrat auf, eine unabhängige Untersuchungskommission einzurichten, um Beweise für Verbrechen nach internationalem Recht und andere schwere Menschenrechtsverletzungen und -missbräuche in ganz Afghanistan zu sammeln und zu dokumentieren.