Die Europäische Union hat aus Protest gegen das U-Boot-Geschäft der USA und Großbritanniens mit Australien die Vorbereitung für ein Handels- und Technologiegespräch mit den USA verschoben. Man habe verabredete Diskussionen über das Treffen am 29. September in Pittsburgh zunächst ausgesetzt, sagten zwei EU-Diplomaten am Dienstag in Brüssel.

Frankreichs Europa-Staatssekretär Clément Beaune schloss auch einen Abbruch der laufenden Verhandlungen zwischen der EU und Australien über ein Freihandelsabkommen nicht aus. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte den neuen U-Boot-Deal als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Von der Leyen betonte in einem Interview mit dem Sender CNN: "Einer unserer Mitgliedstaaten wurde auf eine Weise behandelt, die nicht akzeptabel ist. Also wollen wir wissen, was passiert ist und warum."

Die Außenminister der EU-Staaten hätten bei einem Treffen am Rande der UNO-Generalversammlung in New York darüber diskutiert und die Situation als "sehr enttäuschend" betrachtet, sagte auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell in der Nacht auf Dienstag in New York. 

Der deutsche Europa-Staatsminister Michael Roth sagte, man habe großes Verständnis für die Enttäuschung Frankreichs. "Wir müssen alle an einen Tisch, hier muss man auch verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen, und das wird natürlich nicht einfach sein", fügte er hinzu. "Es zeigt sich immer wieder, dass geschlossenes Auftreten der EU von herausragender Bedeutung ist." Er sprach von einem "Weckruf" für die EU. "Wir können uns nicht ausschließlich auf andere verlassen."

Edtstadler hat Verständnis für Frankreich

Auch Österreichs Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) hat für Frankreich Verständnis gezeigt. "Ich kann gut nachvollziehen, dass die Franzosen hier entsprechend verärgert sind", sagte Edtstadler am Dienstag in Brüssel. Wenn Europa zusammenstehe, "kann es auch stark in der Welt auftreten", fügte sie hinzu. Nun müssten die Franzosen "alle Fakten auf den Tisch legen".

Verteidigung sei sicher ein Thema, dass Europa "mehr und mehr beschäftigen wird müssen", betonte Edtstadler. Hier gehe es einerseits um physische, anderseits auch um die Verteidigung im Cyberreich. Eine europäische Armee sei jetzt nicht das Thema, aber "wir brauchen insgesamt die Diskussion über Sicherheit", so die Ministerin mit Blick auf die Konferenz zur Zukunft Europas.

Vereinbarung wurde hinfällig

Am Donnerstag hatten Australien, Großbritannien und die USA einen Indopazifik-Sicherheitspakt bekanntgegeben - kurz nach der Verabschiedung neuer Indopazifik-Leitlinien der EU. Der Pakt sieht unter anderem vor, dass Australien mit Technologie der beiden Partner nuklear betriebene U-Boote baut.

Damit wurde die 2016 mit dem französischen Reedereikonzern Naval vereinbarte Lieferung von konventionellen U-Booten im Volumen von 40 Milliarden Dollar hinfällig. Frankreich rief aus Verärgerung über die Absage die Botschafter aus Canberra und Washington zurück. Zudem hatte Frankreich mit der Blockade eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Australien gedroht. Die französische Werft hatte sich bei dem Auftrag für Australien zunächst gegen deutsche Konkurrenz durchgesetzt. (apa/reuters)