Das Unterhaus des chilenischen Parlaments hat das Tor für eine Legalisierung von Abtreibungen in dem konservativ-katholisch geprägten südamerikanischen Land geöffnet. Wie die Abgeordnetenkammer am Dienstag auf Twitter mitteilte, stimmten 75 Parlamentarier für und 68 gegen einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Der Vorschlag zur Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur 14. Schwangerschaftswoche muss nun noch vom ultrakonservativen Senat angenommen werden.

Bis vor wenigen Jahren galt in Chile ein striktes Abtreibungsverbot. Erst 2017 wurden unter der damaligen Regierungschefin Michelle Bachelet Schwangerschaftsabbrüche unter drei Voraussetzungen erlaubt: nach einer Vergewaltigung, bei Lebensgefahr für die Mutter sowie tödlichen Erkrankungen des Fötus. Andernfalls drohen noch immer Haftstrafen.

"Nieder mit dem Patriarchat"

"Die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ist beschlossen", begrüßte die kommunistische Abgeordnete Camila Vallejo, eine der Initiatorinnen des Antrags, auf Twitter die Entscheidung. "Nieder mit dem Patriarchat (...) Es lebe der Feminismus", schrieb sie.

Die konservative Regierung von Präsident Sebastián Piñera hat sich gegen eine Reform des Abtreibungsrechts ausgesprochen und beruft sich auf den "Schutz des Lebens". Es gebe "keinen gesundheitlichen Grund, in dieser Angelegenheit etwas Neues zu machen".

Parallel zu der Parlamentsdebatte fanden in Santiago und anderen Städten des Landes Demonstrationen für einen legalen, sicheren und kostenlosen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen statt. Aktivisten zufolge fällt nur ein Bruchteil der in Chile vorgenommenen Abtreibungen unter die derzeit geltenden Ausnahmeregelungen. Tausende Eingriffe fänden weiterhin illegal statt. (apa, afp)