In Tunesien hat Präsident Kais Saied zwei Monate nach der Entmachtung der Regierung die kaum bekannte Universitäts-Mitarbeiterin Najla Bouden Romdhane zur Regierungschefin ernannt. In einer Video-Botschaft erklärte Saied am Mittwoch, er wolle mit seiner Wahl die Frauen in Tunesien ehren. Er habe Romdhane aufgefordert, in den kommenden Stunden oder Tagen ein Kabinett vorzuschlagen, denn es sei bereits viel Zeit verloren worden. Die neue Regierung solle den Anforderungen der Tunesier in allen Bereichen Genüge tun, etwa im Gesundheitsweisen, Erziehung und im Transportwesen.

Die Geologin Romdhane war im Bildungsministerium zuständig für die Umsetzung von Projekten der Weltbank. Sie wäre die erste Frau an der Spitze einer Regierung in Tunesien.

Heftige Proteste in Tunis

Erst am Sonntag hatten Tausende Menschen gegen Saied protestiert. Sie warfen ihm in Tunis vor, mit der Ausweitung seiner Machtbefugnisse einen Staatsstreich angezettelt zu haben.

Saied hatte im Juli Regierung und Parlament entmachtet. Vergangene Woche hebelte er darüber hinaus Teile der Verfassung aus und verschaffte sich so die Macht, per Dekret zu regieren. Er verteidigt sein Vorgehen als notwendig, um den politischen und wirtschaftlichen Stillstand in Tunesien zu überwinden und die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Seine Gegner fürchten dagegen um die demokratischen Errungenschaften, die sie mit der Revolution von 2011 erlangten. (reuters)