ei einem Anschlag auf eine Moschee in der Stadt Kunduz im Norden Afghanistans sind wohl dutzende Menschen getötet worden. Bisher seien 20 Tote und 90 Verletzte in ein von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen betriebenes Spital in Kunduz gebracht worden, teilte ein Sprecher der Organisation am Freitag mit. Weitere Opfer seien in einem nahe gelegenen regionalen Krankenhaus aufgenommen worden. Entsprechend wurde auch noch mit einem deutlichen Anstieg der Opferzahlen gerechnet. Lokale Journalisten und Augenzeugen berichteten von mehr als 70 Todesopfern und dutzenden Verletzten.

Der Journalist Saki Darjabi schrieb auf Twitter, unbestätigten Berichten zufolge handle es sich um einen Angriff durch einen Selbstmordattentäter. Unmittelbar danach bekannte sich allerdings niemand zu dem Anschlag.

In der Vergangenheit hatte vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) schiitische Ziele in Afghanistan angegriffen. Allerdings kam es zu den Angriffen des IS vor allem in der Hauptstadt Kabul und den östlichen Provinzen Nangarhar und Kunar. Zuletzt hatte der IS Ende August den verheerenden Anschlag am Flughafen Kabul während der noch laufenden internationalen militärischen Evakuierungsmission mit fast 200 Toten für sich reklamiert.
Überreste des IS

Dem Afghanistan-Experten Thomas Ruttig von der Denkfabrik Afghanistan Analysts Network zufolge bedeuten die jüngsten Anschläge des IS nicht, dass die Gruppe stärker geworden ist. Nach dem Verlust ihrer Basen in Ostafghanistan in den Jahren 2019 und 2020 lebten aber offenbar Überreste der Terrormiliz im Untergrund fort, die zu solchen Anschlägen fähig seien.

Mitte August haben die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch übernommen. Armee und Polizei zerfielen, Vertreter der Regierung flohen. Die Islamisten riefen eine Regierung aus. Diese sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter, für Sicherheit im Land zu sorgen.

Die Taliban sind mit dem IS verfeindet und haben diesen seit dessen Auftauchen in Afghanistan Anfang 2015 bekämpft. IS-Anschläge zeigen laut Ruttig, dass – wie bereits die Vorgängerregierung – auch die Taliban nicht in der Lage seien, die von Rivalen verübten Terrorangriffe völlig zu unterbinden.