Bagdad. Die Bewegung des einflussreichen schiitischen Geistlichen Muqtada al-Sadr ist bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Irak nach eigenen Angaben stärkste Kraft geworden. Die Sadristen hätten sich "ungefähr 73" der 329 Parlamentssitze gesichert, sagte ein Parteivertreter. Die irakische Wahlkommission bestätigte, dass die Partei "in Führung" liege.

Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, könnten die Sadristen ihren Status als stärkste Kraft im Parlament ausbauen. Die Bewegung war bereits im bisherigen Parlament die stärkste Fraktion, kam aber auf nur 54 Sitze. "Das Volk sollte diesen Sieg der größten Fraktion feiern", sagte al-Sadr in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache.

Der ehemalige Milizenführer al-Sadr, der im Online-Dienst Twitter Millionen Fans hat, lehnt jeglichen ausländischen Einfluss im Irak ab. Er ist sowohl für seine Feindschaft gegenüber den USA als auch für seinen Protest gegen den wachsenden iranischen Einfluss im Irak bekannt.

Genug Sitze hätte al-Sadr alleine aber nicht. Um den neuen Ministerpräsidenten zu stellen, müssten die Sadristen Bündnisse mit anderen Fraktionen eingehen.

Mit den Sadristen rivalisierende schiitische Parteien, die der iranischen Regierung nahestehen, kündigten am Dienstag an, gegen die Wahlergebnisse vorzugehen. "Wir werden die vorläufigen Ergebnisse anfechten", hieß es in einer Erklärung der Parteien, darunter die Eroberungsallianz und Unterstützer des früheren Ministerpräsidenten Haider al-Abadi. "Wir werden alle verfügbaren Maßnahmen ergreifen."

Partei von Ex-Premier Al-Maliki legt zu

Weitere Gewinnerin neben den Sadristen ist nach vorläufigem Stand die Rechtsstaats-Allianz des früheren Regierungschefs Nuri al-Maliki. Sie gewann ebenfalls Mandate hinzu und dürfte auf rund 30 Sitze kommen.

Viele Iraker waren der Abstimmung am Sonntag ferngeblieben. Die Wahlbeteiligung lag nach vorläufigen Angaben bei nur rund 40 Prozent. In der Bevölkerung herrscht tiefes Misstrauen gegenüber der Politik, die für Korruption, Arbeitslosigkeit und die Probleme im öffentlichen Dienst verantwortlich gemacht wird.