Pandemiefolgen und Klimawandel: Die Staatengruppe der G20 kommt ins Spiel, wenn es weltweite Krisen zu lindern gibt. Nicht nur die Staats- und Regierungschefs der wirtschaftsstärksten Länder aus allen Weltregionen kommen am Samstag und Sonntag in Rom zu ihrem jährlichen Gipfel zusammen. Zuvor beraten die Finanzminister der G20 mit ihren Kollegen in den Gesundheitsressorts, wie eine bessere "Krisenvorsorge und Reaktionsfähigkeit" auf künftige Pandemien erreicht werden kann.

Zur Sprache kommt dann auch, wie das Impftempo in vielen Ländern beschleunigt werden kann. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, forderte von der G20-Gruppe wegen der andauernden Pandemie weitere Zuschüsse im Volumen von rund 20 Milliarden Dollar für Testmöglichkeiten, Behandlungen, medizinische Ausrüstung und Impfstoffe. Entwicklungsländern seien über die Covax-Initiative mehr als 1,3 Milliarden Impfstoffdosen versprochen worden, nicht einmal 170 Millionen davon seien schon vor Ort angekommen, bemängelt Georgiewa.

Afrika abgeschlagen

Die verzögerte Lieferung sei zu einem erheblichen Teil dadurch zu erklären, dass die in Indien produzierten und eingeplanten Impfdosen wegen dortiger hoher Corona-Zahlen nicht mehr exportiert werden konnten, erklärte die deutsche Bundesregierung, die zweitgrößter Financier von Covax ist. Indien kann beim Gipfel von seinen Pandemie-Erfahrungen aus erster Hand berichten, es ist beim G20-Gipfel ebenso vertreten wie andere Schwellenländer aus Lateinamerika, Asien und Afrika, darunter Argentinien, Indonesien und Südafrika.

Letztgenanntes Land wird wohl nicht das Ziel erreichen, wonach bis Jahresende 40 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Dosis eines Covid-Vakzins erhalten sollen. Diese weltweit geltende Marke gaben UN, Weltbank, IWF, Weltgesundheits- und Welthandelorganisation Ende August aus. Zwei Monate später und knapp zwei Monate vor Jahresende haben in Afrika nur Marokko und Tunesien die 40-Prozent-Marke bereits erreicht, Botswana und Ruanda befinden sich auf dem Weg dorthin. Bei allen weiteren 50 Staaten stehen die Chancen nach jetzigem Stand nicht gut, zeigen die gesammelten Daten von "Our World in Data".

Schlecht wie kein anderer Kontinent schneidet Afrika auch bei den verabreichten Impfdosen ab: Knapp 14 sind es pro 100 Einwohnern, als nächster Kontinent folgt Asien mit 100. Europa rangiert bei 113, an der Spitze liegt Südamerika mit 116. Werte über 100 kommen zustande, da jede Impfung gezählt wird, dementsprechend werden Personen mit zwei Impfungen oder gar einem dritten sogenannten Booster mehrfach erfasst.

Welche konkreten Schritte die G20 zur Verbesserung der Impfsituation in Entwicklungs- und Schwellenländern anpeilt, ist bisher ebenso wenig klar wie die Ziele in der Klimapolitik. Zwar soll in Rom zu "sofortigem Handeln" aufgerufen werden, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Strittig ist aber, ob sich die G20 auch zu einem gemeinsamen Ziel der Kohlendioxid-Neutralität bis 2050 oder Netto-Null-Emissionen von Treibhausgasen bekennen wird - also dem Vorhaben, dass alle durch Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen durch Maßnahmen zur Reduktion wieder aus der Atmosphäre entfernt werden müssen.

Merkels Klimaschutz-Initiative

Den G20 kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, sind sie doch für mehr als 75 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. In dem Entwurf für das Gipfel-Kommuniqué, über das noch verhandelt wird, steht das Zieljahr 2050 lediglich in Klammern. China als mit Abstand größter Produzent von Kohlendioxid gab bisher nur bekannt, bis 2060 kohlendioxidneutral werden zu wollen. Möglicherweise werden konkrete Maßnahmen erst bei der Weltklimakonferenz in Glasgow beschlossen, die am Montag beginnt.

Bei ihrem wohl letzten Gipfel unter den G20 will die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dem Vernehmen nach einen Finanzierungsvorschlag mit Blick auf Klimaschutz-Hilfen für Entwicklungsländer einbringen. Die Industrieländer setzten sich bereits 2009 das Ziel, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar (86,1 Milliarden Euro) aus öffentlichen und privaten Quellen für Klimaschutz in Entwicklungsländern zu mobilisieren.

Merkel wird in Rom auch vom wahrscheinlichen nächsten Kanzler, Olaf Scholz, begleitet. Der Sozialdemokrat nimmt ebenfalls an den bilateralen Treffen Merkels teil, sie sich unter anderem mit Joe Biden bespricht. Der US-Präsident trifft nicht nur Staats- und Regierungschefs, der gläubige Katholik hat auch eine Audienz im Vatikan bei Papst Franziskus.(reuters/apa/da)