Die Lira-Krise in der Türkei verschärft gesellschaftliche Spannungen. In mehreren Städten sind Menschen aus Protest auf die Straße gegangen. In Istanbul seien in dem Zusammenhang am Mittwochabend 68 Personen festgenommen worden, sagte Anwältin Yagmur Kavak von der Anwaltsvereinigung CHD am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Fast alle seien wieder freigelassen worden, gegen sie werde aber ermittelt.

Verschiedene Organisationen hatten unter Mottos wie etwa "Böyle Gitmez" (So geht es nicht weiter) zu Protesten aufgerufen. In den sozialen Medien wurden Videos mit teilweise brutalen Szenen von Festnahmen verbreitet.

Die Lira war erneut stark eingebrochen in Vergleich zu Dollar und Euro. Am Mittwoch rutschte sie um drei Prozent auf ein neues Rekordtief ab. Für einen Dollar mussten Anleger zeitweise 13,15 Lira auf den Tisch legen, so viel wie nie zuvor. Es war der elfte Tag in Folge mit Kursverlusten. Seit Jahresanfang verlor die Landeswährung mehr als 40 Prozent. Die Angst vor einer Rezession wächst.

Analysten führen den Einbruch vor allem auf die jüngsten Zinssenkungen der türkischen Zentralbank zurück. Sie hatte den Leitzins in der Vorwoche von 16 auf 15 Prozent gesenkt, obwohl die Inflationsrate auf fast 20 Prozent geklettert ist. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist erklärter Zinsgegner und setzt die Notenbank unter Druck.

Unter diesen gerät aber er selbst auch. Auf Twitter tauchen schon Hashtags wie "Erdoganistifa" (Erdogan Rücktritt) auf. Die Regierung in Ankara hat laut Umfragen zuletzt deutlich an Zustimmung eingebüßt.