Reisebeschränkungen, Krisentreffen, Impfaufrufe: Das Auftauchen der Omikron-Variante des Coronavirus löst Unruhe quer durch die Kontinente aus. Die Datenlage ist zwar noch dürftig, doch schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO die Mutation bereits als "sehr hohes Risiko" ein. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren globalen Ausbreitung sei groß, warnte sie am Montag in einem Schreiben an ihre 194 Mitgliedstaaten. Es sei mit steigenden Covid-19-Fallzahlen zu rechnen. In einigen Gebieten drohten ernsthafte Folgen.

Omikron bildete auch das Thema eines außerordentlichen G7-Treffens, zu dem Großbritannien eingeladen hatte. An der virtuellen Zusammenkunft nahmen die Gesundheitsminister teil. Großbritannien hat noch bis Jahresende den Vorsitz der Gruppe inne, zu der ebenfalls die USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Kanada gehören.

In der Zwischenzeit setzen etliche Länder auf Abschottung in unterschiedlicher Ausprägung. So häufen sich die Lande- und Einreiseverbote für Passagiere aus bestimmten Staaten - bis hin zu einem kompletten Bann. Marokko beispielsweise hat ab Montag alle Flugzeuglandungen für zwei Wochen untersagt. Ruanda wiederum stoppte alle Direktflüge aus und nach Südafrika und verhängte eine verpflichtende eintägige Quarantäne samt PCR-Testpflicht für alle Einreisenden. Und wer aus dem südlichen Afrika nach Deutschland fliegt, muss 14 Tage in Quarantäne.

Südafrika warnt vor Panik

Auch generelle Grenzschließungen waren eine Reaktion auf die Omikron-Variante. Israel ist damit bereits am Samstag vorgeprescht; Japan folgte dem Beispiel kurze Zeit später. Ab Dienstag um Mitternacht sei Ausländern die Einreise verboten, kündigte Ministerpräsident Fumio Kishida an. Japaner, die aus bestimmten Ländern zurückkehrten, müssten in gesonderten Einrichtungen in Quarantäne.

Australien wiederum verschiebt die Öffnung seiner Grenzen um zwei Wochen auf Mitte Dezember. Das Land hatte sich im Mai des Vorjahres abgeriegelt und nur noch eine begrenzte Anzahl an Staatsbürgern und Personen mit Aufenthaltsgenehmigung reingelassen. Ab 1. Dezember sollten eigentlich auch wieder Inhaber von Auslandsvisa einreisen dürfen. Nun sollen aber zuerst mehr Informationen zum besseren Verständnis von Omikron gesammelt werden, erklärte Premier Scott Morrison.

In Südafrika, wo die Mutation erstmals nachgewiesen worden war, wurde hingegen Unmut über die Einreiseverbote für Passagiere von dort laut. Diese Maßnahmen seien keine Hilfe, befand Gesundheitsminister Joe Phaahla. Gleichzeitig warnte er vor einer Panik vor Omikron.

Das tat auch der südafrikanische Virologe Salim Abdool Karim - obwohl er bis zum Ende der Woche einen Anstieg der landesweiten Corona-Infektionen um rund 10.000 neue Fälle und damit eine Verdreifachung der Ansteckungsrate erwartet. Doch sei die neue Omikron-Variante relativ einfach nachzuweisen, und es gebe kaum Anlass, bisherige Behandlungsmethoden zu ändern.

Die Abschottungstendenzen der meisten Länder milderte das freilich nicht. Parallel dazu werden vielerorts die Immunisierungsbemühungen verstärkt. Auf den Philippinen etwa startet eine Impfkampagne, bei der innerhalb von drei Tagen neun Millionen Menschen eine Spritze mit dem Corona-Vakzin erhalten sollen. Die Armee und zehntausende Freiwillige sollen den Erfolg sicherstellen. Auf der Inselgruppe gibt es Widerstände gegen Impfungen. Zudem stellt der Schutz der Bevölkerung - an die 110 Millionen Einwohner - auf dem weitläufigen Archipel eine logistische Herausforderung dar.

Angepasste Vakzine

Vor einer weiteren Aufgabe stehen nun ebenfalls die Vakzin-Produzenten: Sie müssen ihre Erzeugnisse anpassen. So hat der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech mit der Entwicklung eines Vakzins gegen die Omikron-Mutante begonnen. Das sei Teil des Standardvorgehens bei neuen Varianten, teilte das Unternehmen am Montag mit. Gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer seien schon vor Monaten Vorbereitungen getroffen worden, um im Fall einer sogenannten Flucht-Variante des Virus das Vakzin innerhalb von sechs Wochen anzupassen und erste Chargen innerhalb von 100 Tagen auszuliefern.

"Die ersten Schritte bei der Entwicklung überschneiden sich mit den nötigen Untersuchungen, ob überhaupt ein neuer Impfstoff nötig ist", hieß es bei Biontech. Derzeit ist noch unklar, ob die aktuellen Corona-Impfstoffe auch vor der neuen Mutante schützen.

Auch die US-Pharmakonzerne Johnson & Johnson sowie Moderna arbeiten an einer verbesserten Version ihrer Produkte. Moderna-Vorstandsvorsitzender Stephane Bancel räumte allerdings ein, dass Monate verstreichen könnten, bevor ein auf das Omikron-Virus abgestimmtes Vakzin ausgeliefert werden könnte. Es werde zwei bis sechs Wochen dauern, bis Daten über die Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe vorliegen würden, sagte er im Sender CNBC.