Zwei Monate nach dem Putsch im Sudan setzen sich die Proteste gegen die Militärherrschaft in dem nordostafrikanischen Land weiter fort. Am Samstag gingen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die in der Hauptstadt Khartum Kurs auf den Präsidentenpalast nahmen. Wie Augenzeugen weiter berichteten, blockierten Soldaten und Sondereinsatzkommandos Zufahrten zu Brücken, die Khartum mit der Nachbarstadt Omdurman am gegenüberliegenden Nil-Ufer verbinden. Auch in Omdurman setzten Sicherheitskräfte Tränengas ein. Aus anderen Städten des Landes wurden ebenfalls Proteste gemeldet. In Khartum waren zudem Internet- und Telefonverbindungen unterbrochen. 178 Menschen wurden bei den Ausschreitungen am Samstag verletzt, gab der Zentralverband der sudanesischen Ärzte bekannt.

Das Militär war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Es hatte am 25. Oktober die Macht übernommen und Ministerpräsident Abdalla Hamdok unter Hausarrest gestellt. Es hatte zudem die Übergangsregierung und den paritätisch geführten zivil-militärischen Rat aufgelöst. Dieser sollte nach dem Sturz des autokratischen Machthabers Omar al-Bashir im April 2019 den demokratischen Prozess vorantreiben und eine für 2023 geplante Wahl vorbereiten. Seit dem Putsch kommt es immer wieder zu Massenprotesten, bei deren Niederschlagung nach Angaben von Ärzten 48 Menschen getötet wurden.

Organisiert werden die Demonstrationen von Gruppen, die sich gegen ein am 21. November von den Putschisten mit Ministerpräsident Hamdok geschlossenes Abkommen stellen. Damit war der zuvor entmachtete Regierungschef wieder eingesetzt worden, politische Gefangene kamen frei. Die Demonstranten fordern freie Wahlen und bis dahin eine Übergangsregierung ohne Beteiligung des Militärs. (Reuters)