Beirut/Wien. Außenminister Alexander Schallenberg ist am Montag in den krisengeplagten Libanon gereist. Dort stattete er zunächst dem Kontingent der österreichischen Blauhelm-Soldaten im Camp Naqoura einen Besuch ab.

Die Unifil-Mission überwacht seit 1978 den Waffenstillstand im israelisch-libanesischen Grenzgebiet, die Mission soll auch Waffenlieferungen an die Schiitenmiliz Hisbollah unterbinden. Seit 2011 beteiligt sich Österreich an der UN-Mission mit rund 180 Bundesheersoldaten - darunter vor allem Kraftfahrer, Mechaniker, Sanitäter, Logistiker und Feuerwehrpersonal - sowie mehr als hundert Fahrzeugen.

Ein Auftrag, der nicht ganz ungefährlich ist. Denn in den vergangenen Wochen haben die Spannungen im von der Hisbollah dominierten Süden wieder deutlich zu genommen. UN-Patrouillen werden in den Dörfern immer wieder bedrängt. Der Sicherheitsoffizier, der den Tross von Schallenberg bei der Besichtigung der so genannten Blauen Linie begleitet, warnt ausdrücklich davor, entlang der Strecke Fotos zu machen. Zu leicht könnte das in sensiblen Zonen missverstanden oder als Ausspähversuch interpretiert werden.

"Die Bruchlinien im Land zeigen sich derzeit wieder verstärkt", sagt Schallenberg. "Und das hat enormes Sprengpotenzial über den Libanon hinaus. Das kann uns also nicht egal sein."

Denn im Libanon herrscht neben einer sich drastisch verschärfenden Armut politisches Chaos. Die humanitäre Krise trifft viele Libanesen, vor allem aber aus Syrien Geflüchtete. Zwischen den Parteien toben aufgrund der Untersuchungen zur Hafenexplosion in Beirut, die 2020 zahlreichen Menschen das Leben kostete, massive Streitigkeiten.

Die Hisbollah fordert die Absetzung von Tarek Bitar, jenem Richter, der mit der Aufarbeitung der Explosion beauftragt wurde, und drohte in der Frage sogar mit dem Rücktritt ihrer Minister aus der Regierung. Die Hisbollah befürchtet, sie oder ihre Verbündeten könnten zur Rechenschaft gezogen werden. Aufgrund der Unstimmigkeiten sind seit dem 12. Oktober alle Kabinettstreffen ausgesetzt, die Regierung ist damit gelähmt. Am 14. Oktober kam es sogar zu Ausschreitungen mit Schusswechseln.(red.)