Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat die EU wieder eine offizielle Vertretung in Kabul. Die EU habe begonnen, wieder eine "minimale Präsenz" internationaler Delegationsmitarbeiter einzurichten, um die Lieferung von humanitärer Hilfe zu erleichtern und die humanitäre Lage zu überwachen, sagte ein EU-Sprecher am Freitag. Er betonte, dass dies auf keinen Fall als Zeichen der Anerkennung der Taliban-Regierung verstanden werden dürfe.

Dies sei auch den "De-facto-Behörden" klar kommuniziert worden, sagte der Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Die Taliban hatten zuvor mitgeteilt, dass nach mehreren Treffen und einer Einigung mit EU-Vertretern die EU "ihre Botschaft mit einer permanenten Präsenz offiziell eröffnet und praktisch den Betrieb aufgenommen" habe. Aus EU-Kreisen hieß es, ein Botschafter werde nicht vor Ort sein.

Seit der militärischen Machtübernahme der Taliban im August 2021 sind die Botschaften westlicher Länder in Kabul geschlossen. Die diplomatischen Missionen anderer Länder wie Russland, China oder von Nachbarstaaten sind aktuell geöffnet und mit Botschaftern besetzt. Seit der Schließung der US-Botschaft in Kabul vertritt das Golfemirat Katar die Interessen der Vereinigten Staaten in Afghanistan. Bisher hat kein Land der Welt die Taliban-Regierung anerkannt. Westliche Länder machen dies unter anderem von der Einhaltung von Menschen- oder Frauenrechten sowie der Inklusivität der Regierung abhängig.

Afghanistan selbst befindet sich angesichts eingestellter Milliardenhilfen und Sanktionen in einer schweren wirtschaftlichen und humanitären Krise. Nach UN-Angaben dürften in diesem Jahr 4,7 Millionen Menschen in Afghanistan an schwerer Unterernährung leiden, davon 3,9 Millionen Kinder. 131.000 Kindern drohe ohne zusätzliche Hilfe der Hungertod. (apa/dpa)