Es war ein Wahlversprechen, das Joe Biden nun einlösen könnte. Als US-Präsidentschaftskandidat hatte er angekündigt, im Falle einer Vakanz am
Supreme Court erstmals eine schwarze Frau zur Höchstrichterin zu machen. Diese Gelegenheit bietet sich dem nunmehrigen Präsidenten. Der Wortführer des liberalen Lagers am US-Höchstgericht, Stephen Breyer, will nämlich nach Medienberichten vorzeitig seinen Posten räumen und so Platz machen für die Neubesetzung eines Sitzes in der politisch umkämpften Institution. Der 83-Jährige habe sich entschieden, in den Ruhestand zu gehen.

Damit kann Biden den Posten noch vor der Kongresswahl im November besetzen. Das ist für ihn umso wichtiger, weil seine Demokraten zwar derzeit eine knappe Mehrheit im Senat haben, die aber bei der Wahl wackelt. Denn die mächtige Parlamentskammer muss der Nominierung des Präsidenten zustimmen.

Er habe noch keine Entscheidung zu einer bestimmten Kandidatin getroffen, wolle die Nominierung aber vor Ende Februar bekanntgeben, sagte Biden am Donnerstag. Seine Kandidatin werde eine Person "herausragender Qualifikation" sein.

Als mögliche Kandidatin für den Posten gilt Richterin Ketanji Brown Jackson, die Biden im Vorjahr vom US-Bezirksgericht im District of Columbia zum gewichtigen Berufungsgericht Columbia Circuit beförderte. Die nun 51-Jährige war 2021 Teil eines dreiköpfigen Richtergremiums, das Ex-Präsident Donald Trumps Anfechtung einer Vorladung des Kongresses für Aufzeichnungen des Weißen Hauses im Zusammenhang mit den Unruhen im Kapitol vor einem Jahr anhörte.

Jacksons Berufung wäre bahnbrechend - immerhin stellt das Oberste US-Gericht mit seinen Entscheidungen zu besonders strittigen Themen wie Abtreibung, Einwanderung oder gleichgeschlechtlichen Ehen immer wieder wichtige Weichen für die amerikanische Gesellschaft. Die neun Richter werden auf Lebenszeit ernannt. Allerdings würde die Personalie das aktuelle Kräfteverhältnis an dem Gericht nicht ändern. Weiterhin hätte das konservative Lager dort die dominierende Mehrheit - mit sechs von neun Sitzen.