Rund 43 Milliarden Euro hat die Coronavirus-Pandemie bisher in Österreich gekostet, alleine im vergangenen Jahr waren es 19 Milliarden Euro. Weltweit geht der Schaden in vielfache Billionen-Euro-Höhe. Staaten, die können, versuchen, mit Hilfsprogrammen die Folgen für ihre Bevölkerung so weit wie möglich abzufedern.

Vielen Ländern ist dies nicht möglich; im Gegenteil, sie sind auf internationale Unterstützung angewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bündelt in ihrem Koordinierungsmechanismus ACT-A entsprechende Bemühungen, dieser beinhaltet die Entwicklung, Herstellung, Beschaffung und Verteilung von Impfstoffen, Tests, Schutzausrüstung und Behandlungsmöglichkeiten. Im Zeitraum von Oktober 2021 bis September 2022 werden dafür 23,4 Milliarden Dollar (20,5 Milliarden Euro) benötigt; davon 7 Milliarden Dollar (6,1 Milliarden Euro) für Impfstoffe.

Doch 16 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro) für die Versorgung mit Vakzinen, Tests und Medikamenten fehlen noch immer. Die WHO rief nun zur Schließung der "unmittelbaren Finanzierungslücke" auf. Angesichts der weltwirtschaftlichen Folgen der Pandemie sei dies ein sehr überschaubarer Betrag, sagte der WHO-Botschafter für globale Gesundheitsfinanzierung, Gordon Brown. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, aufgrund der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante sei es umso dringlicher, eine gerechte Verteilung von Tests und Impfstoffen zu gewährleisten. "Die Wissenschaft hat uns die Instrumente zur Bekämpfung von Covid-19 gegeben; wenn sie weltweit solidarisch geteilt werden, können wir Covid-19 noch heuer als globalen Gesundheitsnotstand beenden."

Ungleiche Verteilung

92 Prozent des erforderlichen Gesamtbetrags sollen nach UN-Berechnungen von der EU und den G20 kommen, der Gruppe der großen Industrie- und Schwellenländer. Damit könnte ein Pool mit 600 Millionen Impfdosen geschaffen und die Behandlung von 120 Millionen Patienten ermöglicht werden, und 700 Millionen Tests ließen sich erwerben.

Die Weltgesundheitsorganisation kritisiert die nach wie vor enorme Ungleichheit bei der Verteilung von Impfstoffen und der Verfügbarkeit von Tests und Medikamenten. In armen Staaten sei die Impfquote weiterhin gering. Zugleich verfielen in nächster Zeit viele Millionen ungenutzter Impfdosen in reichen Ländern. Dementsprechend ist das globale Ziel, bis Ende 2021 in allen Staaten der Welt 40 Prozent der Bevölkerung zu impfen, deutlich verfehlt worden. Von 194 WHO-Mitgliedsländern erreichten rund die Hälfte nicht den Zielwert. In etwa 40 Ländern waren es nicht einmal zehn Prozent, darunter befinden sich vor allem afrikanische Staaten wie Äthiopien und Nigeria.

Das neue Ziel lautet, bis Mitte des Jahres 70 Prozent der Menschen in allen Ländern zu impfen. Damit die Vakzin-Kampagne besser läuft, sind zusätzliche Mittel für ACT-A vonnöten beziehungsweise dessen Programmpfeiler für weltweite Verimpfungen, die Covax-Initiative. Ursprüngliche Idee war, dass das 2020 gegründete Programm weltweit die faire Verteilung von erfolgreichen Impfstoffen vornimmt. Reiche Nationen haben aber parallel separate Verträge mit Impfstoffherstellern ausgehandelt und so den Großteil der Produktion aufgekauft. Zudem verhängte Indien, wo große Mengen des von Covax georderten AstraZeneca-Impfstoffs hergestellt werden, wegen der Pandemie im eigenen Land plötzlich einen Exportstopp. Daher konnte Covax selbst bei vorhandenen Geldmitteln lange wenig Impfstoff besorgen und ausliefern.

Probleme bei Impfspenden

Aber es gibt auch Erfolgsmeldungen: Mitte Jänner übersprang Covax die Milliardenmarke bei der Auslieferung von Corona-Impfdosen, diese kam in Ruanda an. Insgesamt hat das Programm mehr als zehn Milliarden Dollar (8,74 Milliarden Euro) an Spenden erhalten. Auch Österreich beteiligt sich. Es hat bisher 7,5 Millionen Euro an Covax gespendet und eine Million Dosen des Impfstoffes Johnson&Johnson überlassen, die es nicht aus seinem EU-Kontingent abgerufen hat. Die Dosen hat das Kinderhilfswerk Unicef in Afghanistan, Burkina Faso und auf den Philippinen verteilt.

Von den global gespendeten Impfdosen mussten jedoch alleine im Dezember 100 Millionen abgelehnt werden, berichtete Unicef. Vor allem, da die Präparate nur noch eine kurze Haltbarkeitsdauer gehabt hätten. Von den 15 Millionen abgelehnten Dosen aus der Europäischen Union seien drei Viertel AstraZeneca-Mittel mit einer Haltbarkeit von weniger als zehn Wochen nach geplanter Auslieferung gewesen. Manche Länder seien auch gezwungen, Lieferungen zu verschieben, weil Kühlschränke für die Aufbewahrung fehlten. Doch angesichts der Omikron-Variante ist eine weltweite Erhöhung der Durchimpfungsrate maßgeblich. (apa/reu/dpa/da)