Das berühmte Wort des früheren US-Präsidenten Barack Obama wurde von russischen Politikern als Beleidigung aufgefasst: Nämlich, dass Russland nur noch eine "Regionalmacht" sei. Es fügte sich ein in die Klagen von Präsident Wladimir Putin, dass der Westen sein Land und seine Sicherheitsinteressen nicht ernst nehme.

Spätestens mit seiner Rede am Montagabend, der die Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk folgte und der Entsendung russischer Truppen eben dorthin, hat Putin klargemacht, dass sein Land den Anspruch erhebt, eine Weltmacht zu sein. Und er holte dabei gleich auch zum Rundumschlag gegen die Ukraine und insbesondere gegen die USA aus. Diese würden das Nachbarland manipulieren, die Ukraine hätte sich so zum "Marionetten-Regime" der USA machen lassen.

Putin ließ keinen Zweifel offen, dass er die Vereinigten Staaten als Führungsmacht der Nato als Bedrohung und als Feind sieht. Das bedeutet für die Vereinigten Staaten, dass sie nun eine weitere Flanke offen haben, die sie eigentlich lieber geschlossen halten würden. Denn durch das Gebaren Russlands sind sie nun wieder stärker in Europa gebunden. Dabei wollten sich die USA hier zurückziehen und sich vielmehr auf China konzentrieren, das die USA als größte strategische Herausforderung für die eigene globale Vormachtstellung und die derzeit etablierte Weltordnung ausgemacht haben.

Auch wenn Russland ganz weit entfernt davon ist, ökonomisch in der Liga mitzuspielen, in der sich die USA und China befinden - militärisch hat die Atommacht in den vergangenen Jahren enorm aufgerüstet. Mit seinem modernisierten Heer mischt Russland auch in internationalen Konflikten immer mehr mit, was nicht zuletzt die Unterstützung des syrischen Diktators Bashar al-Assad zeigt. Und nun fordert Putin, der von den USA auch den Abzug sämtlicher US-Truppen aus Osteuropa verlangt, Washington mit Tag zu Tag mehr heraus.

Stärkung der Nato

Im konkreten Fall der Ukraine bedeutet das vorerst, dass die Optionen der USA - bei allen Sympathiebekundungen für Kiew - beschränkt sind. Eine militärische Unterstützung kommt nicht in Frage. Nicht nur würden sich zwei Atommächte auf europäischem Boden bekämpfen, was unabsehbare Folgen hätte. Darüber hinaus kann Biden ein militärisches Eingriefen nach dem Irak- und dem Afghanistaneinsatz gegenüber der eigenen kriegsmüden Bevölkerung nicht rechtfertigen. Deswegen hat Biden auch gar nicht erst versucht, eine militärische Drohkulisse aufzubauen. Abschrecken sollten Russland vielmehr Sanktionsdrohungen. Als rote Linie wurde dabei immer wieder ein Einmarsch in die Ukraine gewertet. Inwieweit Putin diese nun mit der Entsendung von Truppen in die beiden Volksrepubliken Donezk und Luhansk aus Sicht Washingtons überschritten hat, wird die Reaktion in den nächsten Tagen zeigen.

Deutlich gemacht haben die USA aber schon, dass der Abzug von US-Soldaten aus Osteuropa für sie nicht in Frage kommt - ganz im Gegenteil, sie haben weitere Soldaten dorthin entsandt. Außerdem haben viele größere Nato-Länder Waffen an die Ukraine geliefert - eine Ausnahme bildete hier aber Deutschland.

Jedenfalls könnte Putin mit seinem aggressiven Vorgehen genau dafür sorgen, dass die Nato enger zusammenrückt und europäische Nato-Länder nun genau das machen, was die USA schon lange fordern: Dass sie die Verteidigungspolitik ernster nehmen und künftig mehr Geld für ihre Streitkräfte ausgeben.(klh)