Russland hat in den vergangenen Jahren massiv in die Modernisierung seiner Streitkräfte investiert. Unter Präsident Wladimir Putin hat sich die von Unterfinanzierung und Korruption geplagte ehemalige Sowjetarmee zu einer modernen, zahlenstarken und mittlerweile auch kampferprobten Truppe entwickelt. Im diplomatischen Ringen mit der Ukraine und ihren westlichen Partnern ist sie bei weitem das stärkste Druckmittel des Kreml-Chefs.

Die Streitkräfte haben nur noch wenig gemein mit der Truppe, die in den 1990er Jahren Mühe hatte, die tschetschenischen Rebellen in Schach zu halten. Rund 900.000 russische Soldaten im aktiven Dienst verfügen heute über moderne Waffen wie das Luftabwehrsystem S-400 und den Kalibr-Marschflugkörper. Neue Hyperschallraketen hatte Putin zuletzt als "unbesiegbar" angepriesen, da sie es mit dem verhassten, in Osteuropa installierten US-Raketenabwehrsystem aufnehmen können.

"Die Modernisierungsbemühungen in den letzten zehn Jahren waren für das reine Überleben der russischen Armee notwendig", sagt der Militärexperte Wassili Kaschin von der Hochschule für Wirtschaft in Moskau. "Ein Großteil der Ausrüstung musste ausgetauscht und die Armee neu aufgebaut werden - und dies geschah in Rekordzeit."

Militärisch stark

Seine neue militärische Stärke hat der Kreml mit seinem massiven Eingreifen in den Syrien-Konflikt seit 2015 bereits unter Beweis gestellt. Besonders russische Luftangriffe auf Stellungen der Gegner von Machthaber Bashar Al-Assad haben es diesem ermöglicht, die Kontrolle über den Großteil des Landes wiederzugewinnen.

Auch hat die durchaus beeindruckende Aufrüstung Russlands das Kräfteverhältnis mit dem Westen und insbesondere mit den USA nicht grundlegend verändert. Laut Militärexperte Kaschin könnte die russische Armee den US-Streitkräften "eine gewisse Zeit standhalten". Washington habe aber weiterhin "eine bedeutende militärische Überlegenheit". In der Folge berge ein Konflikt mit dem Westen das Risiko einer "unkontrollierbaren Eskalation und eines Ausuferns des Krieges in eine nukleare Phase". (apa, afp)