Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat den russischen Angriff auf die Ukraine scharf verurteilt und seinen Amtskollegen Wladimir Putin zur Umkehr aufgerufen. "Präsident Putin muss den Angriff sofort stoppen und zu Verhandlungen zurückkehren", schrieb Van der Bellen am Donnerstag in der Früh auf Twitter. "Wenn nicht, wird der Einsatz militärischer Gewalt auf dem europäischen Kontinent die Beziehungen zum russischen Nachbarn auf Jahrzehnte verändern."

"Ich verurteile aufs Schärfste den kriegerischen, völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine, der die Souveränität und die territoriale Integrität der Ukraine eklatant verletzt", betonte der Bundespräsident. "Unsere Gedanken und unsere Solidarität sind jetzt bei den Menschen in der Ukraine."

"Alles muss nun getan werden, um eine weitere Eskalation zu vermeiden und Menschenleben zu schützen", so Van der Bellen. "Alles, was die Republik Österreich als neutraler Staat tun kann, um zum Frieden beizutragen, werden wir tun. Frieden muss an erster Stelle stehen", unterstrich der Bundespräsident. Der Weg zum Verhandlungstisch muss für alle Seiten offen stehen.

Empörte Reaktionen aus dem Westen

Auch die restliche westliche Welt hat mit Empörung und Entsetzen auf den russischen Angriff auf die Ukraine reagiert. US-Präsident Joe Biden sprach in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj von einem "unprovozierten und ungerechtfertigten Angriff". Ähnlich äußerten sich führende Politiker in Europa. Die G-7 und die US-Verbündeten würden ernsthafte Sanktionen gegen Russland verhängen.

"Dies ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein dunkler Tag für Europa", erklärte Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz am Donnerstag. Russland begehe einen "eklatanten Bruch des Völkerrechts". Der russische Angriff sei "durch nichts zu rechtfertigen", erklärte Kanzler Scholz. Deutschland verurteile "diesen rücksichtslosen Akt" des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf das Schärfste. "Unsere Solidarität gilt der Ukraine und ihren Menschen." Russland müsse die Militäraktion sofort einstellen. Mehrere westliche Regierungschefs, darunter Scholz, telefonierten mit Selenskyj und versicherten ihm die Solidarität ihrer Länder.

Der britische Premierminister Boris Johnson sagte: "Präsident Putin hat sich für den Weg des Blutvergießens und der Zerstörung entschieden." Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte auf Twitter den russischen Angriff auf die Ukraine und forderte ein sofortiges Ende. Frankreich sei mit der Ukraine solidarisch und an deren Seite. Gemeinsam mit seinen Partnern und Verbündeten handle Frankreich, um ein Ende des Kriegs zu erreichen.

Die EU werde Russland zur Verantwortung ziehen, teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit. "In diesen dunklen Stunden sind unsere Gedanken mit der Ukraine und den unschuldigen Frauen, Männern und Kindern, die einen nicht provozierten Angriff erleben und um ihr Leben fürchten", twitterte sie.

Weitere Reaktionen:

"Frankreich verurteilt die Entscheidung Russlands, Krieg gegen die Ukraine zu führen, aufs Schärfste. Russland muss seine Militäroperationen sofort beenden. Frankreich ist solidarisch mit der Ukraine. Es steht an der Seite der Ukrainer und handelt mit seinen Partnern und Verbündeten, um ein Ende des Krieges zu erreichen."

(Der französische Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag auf Twitter)

"Mit dem Angriff auf die Ukraine bricht Russland mit den elementarsten Regeln der internationalen Ordnung. Die Weltgemeinschaft wird Russland diesen Tag der Schande nicht vergessen."

(Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock, Grüne, am Donnerstag in einer Erklärung)

"Die absurden Vorwände der russischen Führung, die Ukraine anzugreifen, sind falsch, unbegründet und kriminell. Sie wurden erfunden, damit Präsident Putin eine Aggression gegen eine Nation rechtfertigen kann, die Russland nie bedroht hat."

(Estlands Staatspräsident Alar Karis am Donnerstag in einer Erklärung)

"Russlands Vorgehen wird schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen"

(Der kanadische Premier Justin Trudeau am Mittwoch (Ortszeit) in einer Erklärung)

"Die russische Invasion in die Ukraine ist ein durch nichts zu rechtfertigender Akt der Aggression gegen einen unabhängigen Staat"

(Der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala am Donnerstag auf Twitter)

"Wir verurteilen die einseitigen feindlichen Aktionen in der Ukraine. Russland verstößt offen gegen internationales Recht und die UN-Charta."

(Der australische Premier Scott Morrison am Donnerstag vor Journalisten)

"Genau zu der Zeit, als wir uns im Rat versammelten, um Frieden zu suchen, übermittelte Putin eine Kriegsbotschaft in völliger Verachtung für die Verantwortung dieses Rates."

(Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen in New York, Linda Thomas-Greenfield, am Mittwoch (Ortszeit))

"So wie es begann, glaube ich wirklich nicht, dass er das anfangs tun wollte. Ich glaube, er wollte etwas tun und verhandeln. Dan wurde es schlimmer und schlimmer."

(Der ehemalige US-Präsident Donald Trump am Mittwoch (Ortszeit) in einem Telefoninterview mit Fox News)

Besprechung am Nachmittag

Die NATO-Botschafter in Brüssel würden sich am Vormittag zu einer Krisensitzung treffen, teilte ein NATO-Offizieller mit. US-Außenminister Antony Blinken sagte, er und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hätten mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefoniert. Dabei sei es um eine Verstärkung der östlichen Grenzen der NATO gegangen. Blinken versicherte den NATO-Mitglieder zudem, dass die USA zu Artikel 5 des NATO-Vertrages stünden, also der Verteidigungszusage im Falle eines Angriffs. Polen forderte die NATO auf, ihre Ost-Flanke zu verstärken. Dafür sei es jetzt Zeit, sagte ein Regierungssprecher. "Wir erwarten, dass solche Entscheidungen getroffen werden."

Die G7-Staats- und Regierungschefs kommen am Nachmittag zu einem Video-Call zusammen. Am Abend findet in Brüssel ein EU-Sondergipfel statt, an dem auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) teilnehmen wird. Dabei soll auch über weitere Sanktionen gesprochen werden. Die USA, die EU und andere westliche Staaten hatten erst am Dienstag ein erstes Sanktionspaket gegen Russland beschlossen, nachdem Moskau die abtrünnigen ukrainischen Gebiete um Donezk und Luhansk in der Ostukraine anerkannt hatte. (apa/reuters/dpa)