Der russische Angriff auf die Ukraine versetzt Einwohner der Hauptstadt Kiew in Furcht und Schrecken. Die Metropole wurde bislang zwar nicht attackiert. Allerdings tauchten Flugzeuge über der Stadt auf, während zudem Explosionen zu hören waren und am frühen Morgen eine Notfallsirene ertönte. Viele Einwohner stehen am Donnerstag in langen Schlangen vor den Geschäften an, um sich mit Vorräten einzudecken. Andere versuchen, die Stadt zu verlassen. Ein riesiger Stau blockiert die nach Westen führende Hauptverkehrsstraße.

Wochenlang gab es Warnungen ukrainischer und westlicher Politiker vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff - und doch trifft es viele Einwohner in der Drei-Millionen-Stadt unvorbereitet. "Das habe ich nicht erwartet", sagt Nikita, ein Marketingspezialist, während er in einer langen Schlange vor einem Supermarkt wartet. In seinem Einkaufswagen stapeln sich Wasserflaschen. "Bis heute Morgen habe ich geglaubt, dass nichts passieren würde", sagt der 34-Jährige. "Ich habe gepackt, Lebensmittel gekauft und werde zu Hause bei meiner Familie bleiben." Viele Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte sind voll mit Kunden. Sie wollen in Kiew bleiben und decken sich mit Vorräten ein. Kredit- und Bankkarten funktionieren noch.

"Putin hat uns angegriffen"

Andere Einwohner zeigen sich dazu entschlossen, in die ihrer Meinung nach relativ sichere Westukraine zu gehen. Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin eine so genannte militärische Sonderoperation im Osten des Landes angeordnet. Am Vormittag kommt der Verkehr auf der vierspurigen Hauptstraße in die westliche Stadt Lwiw zum Erliegen. Die Autos stauen sich über Dutzende von Kilometern, wie Zeugen der Nachrichtenagentur Reuters berichten.

"Ich fahre weg, weil ein Krieg begonnen hat, Putin hat uns angegriffen", sagt Oxana. Mit ihrem Wagen und ihrer dreijährigen Tochter auf dem Rücksitz steckt sie im Stau fest. "Wir haben Angst vor Bombardements." Sie will Kiew verlassen. Im Machtzentrum der Ukraine haben Regierung, Präsident und Parlament ihren Sitz. Sobald sie draußen sei, werde sie entscheiden, wohin sie gehen wolle, sagt Oxana. "Sagen Sie Russland: 'Das könnt ihr nicht machen. Das ist so beängstigend." (reuters)