In den sieben Tagen seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine sind nach UN-Angaben eine Million Menschen in die Nachbarländer geflohen. Das teilte der Chef des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), Filippo Grandi, am Donnerstag auf Twitter mit. "Für viele weitere Millionen in der Ukraine ist es an der Zeit, dass die Waffen schweigen, damit lebensrettende humanitäre Hilfe geleistet werden kann."

Die meisten Menschen haben sich in Polen in Sicherheit gebracht, wo nach Angaben des Grenzschutzes bis zum Donnerstag 575.100 Kriegsflüchtlinge angekommen sind. In Brüssel berieten die EU-Innenminister über eine Vorlage der EU-Kommission, mit der der rechtliche Rahmen für die Aufnahme der Menschen einheitlich gesetzt werden soll.

In Rumänien sind laut Grenzpolizei bislang mehr als 139.000 Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen. Knapp 88.000 von ihnen seien bereits in ein anderes Land weitergereist, heißt es in Daten der Grenzpolizei. Die Flüchtlinge seien über die vier Grenzübergänge zwischen Rumänien und der Ukraine gekommen sowie über die Grenze mit Moldawien. Das Land liegt zwischen der Ukraine und Rumänien. In Polen kamen dem Grenzschutz zufolge am Mittwoch rund 95.000 Menschen aus der Ukraine an, bis Donnerstagmorgen seien weitere rund 27.100 Menschen über die Grenze gekommen. Die Ukraine forderte Korridore, durch die die Menschen mit Hilfsgütern versorgt werden können. Kinder müssten in Sicherheit gebracht werden, Lebensmittel, Medikamente und Rettungswagen seien dringend nötig, sagte ein Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj.

"Diskriminierung, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit"

Zugleich mit der Ukraine-Krise alarmieren Berichte über die Zurückweisung von Ausländern, die wie Ukrainer vor den russischen Angriffen fliehen wollen, alarmieren die Vereinten Nationen. Es gebe überprüfte und glaubhafte Berichte über "Diskriminierung, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit", teilte der Generaldirektor der UNO-Organisation für Migration (IOM), António Vitorino, am Donnerstag in Genf mit.

"Männer, Frauen und Kinder aus Dutzenden von Ländern, darunter Wanderarbeiter und Studenten, die in der Ukraine leben, stehen vor akuten Herausforderungen, wenn sie versuchen, die vom Konflikt betroffenen Gebiete zu verlassen, die Grenzen zu den Nachbarländern zu überqueren und lebensrettende Hilfe zu suchen", teilte Vitorino mit. Er rief die Nachbarstaaten der Ukraine auf, diese Menschen genauso aufzunehmen wie alle anderen. (reu, apa, dpa, afp)