Der Krieg in der Ukraine bringt für die Menschen vor Ort Leid und Zerstörung, global gesehen kommt es zu massiven Preissteigerungen und Knappheit bei zahlreichen Gütern. Wie in jedem Krieg gibt es aber auch Gewinner, einer davon wird die globale und hier speziell westliche Rüstungsindustrie sein. Denn angesichts des Krieges in der nahen Ukraine haben viele europäische Länder angekündigt, ihre Militärausgaben kräftig anheben zu wollen.

Allen voran dürfte sich die amerikanische Rüstungsindustrie auf fette Jahre einstellen, denn die USA sind mit fast 40 Prozent der weltweit größte Waffenexporteur. Auf der Rangliste der acht umsatzstärksten Rüstungsunternehmen der Welt belegen US-amerikanische Firmen die Plätze eins bis fünf, zeigen Daten des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) aus dessen letztem Bericht. Zusammengerechnet erwirtschaften diese Unternehmen rund drei Viertel des gesamten Umsatzes der Top-8-Unternehmen. Dominiert wird das Feld seit Jahrzehnten von Lockheed Martin (LM) mit einem Jahresumsatz von 58 Milliarden US-Dollar (2020).

Größtes russisches Unternehmen auf Platz 17

Der absolute Exportschlager des US-amerikanischen Rüstungs- und Technologiekonzerns, der vor allem in der militärischen Luftfahrt und in der Raumfahrt tätig ist, ist das Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug F-35. Neben Entwicklungspartner Großbritannien und Italien haben zuvor schon Polen, Norwegen, Dänemark, Japan, Australien, Südkorea, Belgien und die Niederlande den US-Jet von Lockheed Martin beschafft, wie der Militärluftfahrt-Experte Georg Mader von der Nachrichtenplattform "militaeraktuell.at" im Gespräch mit der APA sagt. Finnland und die Schweiz haben sich 2021 ebenfalls für den F-35 entschieden, Spanien prüft eine Beschaffung einer Version für die Marine.

Das stärkste europäische Unternehmen ist auf Platz sechs das britische BEA Systems mit einem Umsatz von 24 Milliarden US-Dollar. Dahinter folgen zwei Chinesen mit 18 und 17 Milliarden Umsatz. Nach Ländern gelistet war Russland mit einem Anteil von 20 Prozent bisher das Land mit den zweitmeisten Waffenexporten, aber das werde angesichts der verhängten Technologiesanktionen künftig speziell für die Flugzeugfabriken im staatlichen Konglomerat UAC schwer zu halten sein, erläutert Mader. Denn speziell bei Halbleiter-Chips waren sie - und das gilt zum Teil auch für chinesische Hersteller - bisher graduell auf Taiwan bzw. Südkorea, also US-Patente angewiesen. Das größte russische Rüstungsunternehmen liegt mit sechs Milliarden Umsatz auf Platz 17 der Herstellerliste von Sipri. Hinter Russland folgen Frankreich mit 8,2 Prozent, Deutschland mit 5,5 Prozent, China mit 5,3 und Großbritannien mit 3,3 Prozent. Auf der anderen Seite sind die größten Waffenkäufer Saudi-Arabien, Ägypten und Katar.

Angesichts des Krieges haben etliche europäische Länder beschlossen, jetzt auch kräftig aufzurüsten. Für Deutschland hat Kanzler Olaf Scholz angekündigt, die sagenhafte Summe von 100 Milliarden Euro noch in diesem Jahr für die lange vernachlässigte Nachrüstung der Bundeswehr auszugeben und sogar ins Grundgesetz schreiben zu wollen. Auch Österreich will in das Militär investieren. Bis jetzt wurde nur eine Aufstockung des Budgets auf mindestens ein Prozent des BIP, das wäre 4,3 bis 4,5 Milliarden Euro, ab nächstem Jahr angekündigt. Ob es wie in Deutschland ein sofortiges Sonderinvest geben wird, ist noch offen. Experten beziffern den akuten Investitionsstau im Bundesheer mit mindestens drei Milliarden Euro, Generalmajor Thomas Starlinger, der Verteidigungsminister in der Bierlein-Regierung war, sprach 2019 sogar von 16 Milliarden Investitionsrückstau. Als Beispiele für benötigte Investition nennt Mader die Fliegerabwehr auch gegen Drohnen, die Nachtsicht-Aufwertung der ex-niederländischen "Leopard"-Panzer oder jene der 2007 "abgespeckten" Eurofighter inklusive elektronischem Selbstschutz sowie Trainingsjets.

Was den laufenden Krieg in der Ukraine betrifft, kommen Waffen aus unterschiedlichen Beständen zum Einsatz. Russland agiert hauptsächlich - nur anfänglich aus militärischer Beurteilung erstaunlich verhalten - mit Waffen aus der Eigenproduktion, während die Ukrainer Waffenlieferungen aus zahlreichen Ländern bekommen haben.

Darunter waren nun die gegen oft liegen gebliebene russische Konvois eingesetzten Drohnen "Bayraktar" TB2 aus der Türkei erfolgreich, Deutschland steuerte die Ex-DDR-Feldhaubitze "D-30" aus einst russischer Produktion bei sowie die deutsche "Panzerfaust 3" und die US-Flugabwehrrakete "Stinger", die von der Schulter verschossen wird. Ebenso gegen russische Hubschrauber erfolgreich zum Einsatz kam das polnische Äquivalent PPZR Piorun.

USA flogen seit Jahren Lenkwaffen in die Ukraine

Die USA flogen schon seit Jahresbeginn tausende "Stinger"- und FDGM-148 "Javelin"-Einmann-Panzerabwehrlenkwaffen von Raytheon/LM ein und liefern weiterhin via Polen auf dem Landweg, so Mader. Laut Ukraine wurden mit 300 "Javelin" bisher 280 russische Fahrzeuge ausgeschaltet. Die Briten schickten 3.615 NLAW-Panzerabwehrlenkwaffen, die Niederlande etwa 200 "Stinger", Scharfschützengewehre und Munition. Tschechien und die Slowakei geben ihre Lieferungen von "Militärgütern" mit 27 bzw. 15 Millionen Euro an, darunter 120mm-Artilleriemunition sowie hunderte Tonnen Diesel.

Und selbst das bündnisfreie Schweden stellte neben 135.000 Feldrationen-Verpflegung auch je 5.000 "Pansarskott 86"-Panzerabwehrrohre, Helme und Körperschutzwesten. Österreich lieferte 10.000 Helme aus Bundesheer-Beständen sowie Schutzausrüstungen für zivile Einsatzkräfte sowie besonders dringend benötigte Treibstofflieferungen.

Die Nachricht von der Helm-Lieferung hat bei der Truppe in Österreich für Aufregung gesorgt, weil offenbar nicht kommuniziert wurde, dass im Gegenzug neue Helme ausgegeben werden. Es handelt sich dabei um den "Sentry XP Mid Cut Helmet" aus amerikanischer Produktion, der mit etwa 920 Gramm fast um 40 Prozent weniger als der bisherige Helm wiegt. Die neue Ausrüstung gilt als exzellent und kostet 700 Euro pro Stück.