Die Gespräche zur Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Iran von 2015 scheinen sich auf die Frage zu fokussieren, wie mit den iranischen Revolutionsgarden umzugehen ist. Für Teheran ist eine Einigung möglich, wenn die USA sie von ihrer Terror-Liste streichen - was Washington ablehnt.

Eine Einigung stehe kurz bevor, sagte Kamal Kharrasi, ein hochrangiger Berater des geistlichen und politischen Oberhaupts des Iran, Ajatollah Ali Khamenei, am Sonntag auf der internationalen Konferenz Doha Forum in Katar. Es hänge nun von der politischen Einstellung der USA ab. Es sei wichtig, dass die USA die iranische Eliteeinheit Islamische Revolutionsgarden (IRGC) nicht mehr als ausländische terroristische Organisation einstuften. "Die Revolutionsgarenden sind eine nationale Armee, und eine nationale Armee, die als Terrorgruppe eingestuft wird, ist sicherlich nicht akzeptabel."

Der US-Sondergesandte für den Iran, Robert Malley, äußerte sich skeptischer. Er sei nicht so zuversichtlich, dass eine Einigung unmittelbar bevorstehe, sagte er auf der Konferenz. Man müsse weiter vorankommen. An dem gegenwärtigen Punkt befinde man sich schon seit einiger Zeit. Außerdem: "Die Revolutionsgarde wird nach US-Recht sanktioniert bleiben und unsere Wahrnehmung der Revolutionsgarde wird dieselbe bleiben."

Die USA hatten das Abkommen 2018 unter ihrem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aufgekündigt, woraufhin auch der Iran sich nicht mehr an alle Auflagen hielt. Mit dem Atomabkommen soll verhindert werden, dass der Iran Nuklearwaffen baut. Der Iran dementiert solche Absichten. Die seit Monaten laufenden Gespräche schienen eigentlich weit fortgeschritten. Anfang März aber forderte Russland unerwartet umfangreiche Garantien, dass der russisch-iranische Handel von jeglichen westlichen Sanktionen ausgenommen werden müsse, die im Zusammenhang mit der russischen Invasion in der Ukraine verhängt wurden. Der Westen lehnt das ab.

Westen zu 95 Prozent einverstanden

Die EU drängt auf einen Abschluss der Gespräche. EU-Chefverhandler Enrique Mora ist am Samstag für Gespräche mit iranischen Vertretern nach Teheran gereist. "Wir sind sehr nahe an einem Abkommen und ich hoffe, dass wir es schaffen werden", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Samstag in Doha. Er will unter anderem den iranischen Chefverhandler Ali Bagheri Kani treffen.

Borrell erklärte, dass der Westen "zu 95 Prozent" mit den Forderungen Teherans einverstanden sei. "Aber die restlichen fünf Prozent sind kritisch", betonte er. Sollte das Abkommen nicht zustande kommen, wäre er "sehr enttäuscht".

Die EU hatte den in Wien geführten Gesprächen jüngst eine Pause verordnet, nachdem Russland mit neuen Forderungen massiv Sand ins Getriebe gebracht hatte. Moskau forderte nämlich Garantien, dass die westlichen Sanktionen keine Auswirkungen auf die russisch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen haben werden. Diese Forderung hatte auch in Teheran für Irritationen gesorgt, nachdem man sich inhaltlich schon sehr nahe gekommen war. (apa, afp, reu)