Einen Frage-Antwort-Marathon hat sie schon hinter sich. Vier Tage lang stellte sich Richterin Ketanji Brown Jackson Ende März einem Anhörungsverfahren im Justizausschuss des US-Senats. Und deren republikanische Vertreter schonten sie nicht. Fragen nach ihrem Glauben musste die 51-Jährige ebenso beantworten wie sich gegen Vorwürfe verteidigen, dass sie in Fällen von Kinderpornografie zu milde Strafen verhängt habe und als Anwältin für Klienten aus dem Gefangengenlager Guantanamo aufgetreten ist.

Auf den Rückhalt der Demokraten hingegen kann Jackson zählen. Immerhin ist sie die Kandidatin von US-Präsident Joe Biden für den Posten einer Richterin am Obersten Gericht. Die erste Nominierung einer afroamerikanischen Frau hatte Biden schon in seinem Wahlkampf versprochen - sollte sich ihm die Gelegenheit bieten. Sie bot sich Anfang des Jahres, als der liberale Stephen Breyer seinen Rückzug vom Supreme Court ankündigte, und Biden konnte erstmals in seiner Amtszeit eine Verfassungsrichterin ernennen.

Jacksons Berufung wäre bahnbrechend - immerhin stellt das Oberste US-Gericht mit seinen Entscheidungen zu besonders strittigen Themen wie Abtreibung, Einwanderung oder gleichgeschlechtlichen Ehen immer wieder wichtige Weichen für die amerikanische Gesellschaftspolitik. Die neun Richter werden auf Lebenszeit ernannt. Allerdings würde die Personalie das aktuelle Kräfteverhältnis an dem Gericht nicht ändern. Weiterhin hätte das konservative Lager dort die dominierende Mehrheit - mit sechs von neun Sitzen.

Die Auswahl der Mitglieder ist ein hart umkämpfter politischer Prozess. Das ist auch jetzt der Fall. Zu Wochenbeginn nahm Jackson eine wichtige Hürde im Senat. Nach einem Patt in dem Justizausschuss setzten die Demokraten eine Abstimmung im Plenum der Kammer an, um die Ernennung voranzutreiben. Die dafür notwendige Mehrheit kam zustande. Das finale Votum könnte bis Ende der Woche erfolgen.

Zwar haben Bidens Demokraten im Plenum des Senats nur eine hauchdünne Mehrheit, doch kündigten drei moderate Republikaner schon an, für Jackson zu stimmen. Deren Bestätigung gilt daher als wahrscheinlich.

Eine schwarze Frau gab es auf der Richterbank des Supreme Court bisher noch nie. Der einzige Afroamerikaner dort ist der konservative Clarence Thomas. Bei ihrer Anhörung erzählte Jackson denn auch von den Möglichkeiten, die sie habe - und die ihre Eltern, die noch in der Ära der Rassentrennung im Süden der USA aufgewachsen wären, nicht gehabt hätten.

Kein Zweifel an Qualifikation

Dennoch machten ihre Eltern später Karriere im öffentlichen Schulsystem, und Jackson selbst studierte an der Elite-Universität Harvard. Danach arbeitete sie als Rechtsanwältin und Pflichtverteidigerin - auch für Angeklagte, die sich keinen Anwalt leisten konnten. Einen Job hatte sie ebenfalls bei Verfassungsrichter Breyer, dessen Posten sie nun übernehmen soll.

Seit 2013 ist Jackson Richterin, seit dem Vorjahr am wichtigen Berufungsgericht des Hauptstadtbezirks District of Columbia. Auch bei dieser Nominierung hatten bereits ein paar Republikaner für sie gestimmt. Anderen ist Jackson zu liberal. An ihrer Qualifikation können aber selbst die größten Kritiker kaum rütteln. (reu/dpa/red)