Vatikanstadt. Papst Franziskus hat in einem TV-Interview mit RAI 1 den Ukraine-Konflikt verurteilt. Die Welt erlebe einen Weltkrieg in Stücken. "Überall gibt es Krieg. Die Welt hat sich für den Weg Kains entschieden, die Ermordung des Bruders", erklärte der Papst im Gespräch mit der TV-Moderatorin Lorena Bianchetti am Karfreitag. Bianchetti moderiert seit Jahren das TV-Programm "A sua immagine", das religiösen Themen gewidmet ist.

Der Papst beklagte, dass die Welt mehr für Waffen als für Bildung ausgebe. "Auch hier sehen wir das Kain-Muster. Wir leben mit diesem teuflischem Schema, nach dem man sich gegenseitig aus Machtstreben, aus Sicherheitsgründen tötet. Ich verstehe die Regierenden, die Waffen kaufen, ich rechtfertige sie jedoch nicht. Ich denke an die vielen Kriege, die weit weg von uns sind und die niemand sieht. Wir haben die Sprache des Friedens vergessen", beklagte Franziskus.

"Wir sind Rassisten"

"Krieg ist etwas Grauenhaftes. Schauen wir uns die Soldatenfriedhöfe an", sagte der Papst und gedachte seines Besuches auf dem US-amerikanischen Soldatenfriedhof von Nettuno südlich von Rom, auf dem er im November 2017 eine Messe für die Gefallenen aller Kriege gefeiert hatte. Das traditionelle Totengedenken am katholischen Allerseelentag nutzte er damals zu einem aufrüttelnden Appell gegen Kriege.

Der Papst grüßte die orthodoxen Bischöfe als "Brüder im Glauben". Auch sie würden sich in Zeiten des Schmerzes auf die Osterfeierlichkeit vorbereiten.

Der Heilige Vater sprach auch das Thema Migration an. "Wir teilen die Flüchtlinge ein. Erste Klasse, zweite Klasse, Hautfarbe, ob sie aus einem entwickelten Land oder einem nicht entwickelten Land kommen: Wir sind Rassisten", beklagte Papst. Dabei sei auch Jesus ein Flüchtling gewesen, als er als Kind mit seinen Eltern nach Ägypten geflohen war.

Kreuzweg nach zwei Jahren Pause

Nicht nur Krieg und Menschenhandel würden das Leben der Menschen ruinieren. Auch die Ausbeutung der Arbeit hinterlasse Verwüstung. Der Papst prangerte außerdem die Ausbeutung von Frauen an. "Gewalt gegen Frauen ist unser tägliches Brot. Frauen, die Schläge erleiden, die Gewalt von ihren Partnern erleiden und dies schweigend ertragen oder weggehen, ohne zu sagen, warum", so der Papst.

Papst Franziskus feiert am Karfreitag nach zwei Jahren Corona-Pause wieder den traditionellen Kreuzweg am Kolosseum in Rom. Bei der Andacht am Abend (21.15 Uhr) wird an den Leidensweg und die Kreuzigung von Jesus Christus erinnert. Dazu wird ein symbolisches Kreuz über 14 Stationen getragen. Wegen der Pandemie musste das Oberhaupt der katholischen Kirche 2020 und 2021 auf die öffentliche Prozession an dem antiken Amphitheater verzichten. (apa)