Mit einem flammenden Aufruf zum Frieden hat sich Papst Franziskus gleich zu Beginn der Osterfeierlichkeiten an die Menschen gewandt: "Legen wir die Waffen nieder, beginnen wir eine österliche Waffenruhe. Aber nicht, um die Waffen neu zu laden und die Kämpfe wieder aufzunehmen, sondern, um eine Waffenruhe zu erreichen", so der Pontifex angesichts des Krieges, der in der Ukraine tobt. In einem TV-Interview mit Rai 1 meinte Franziskus, die Welt erlebe jetzt einen Weltkrieg in Stücken: "Überall gibt es Krieg. Die Welt hat sich für den Weg Kains entschieden, die Ermordung des Bruders."

Und: "Wir leben mit diesem teuflischen Schema, nach dem man sich gegenseitig aus Machtstreben, aus Sicherheitsgründen tötet. Ich verstehe die Regierenden, die Waffen kaufen, ich rechtfertige sie jedoch nicht", so der Papst. "Krieg ist etwas Grauenhaftes. Schauen wir uns die Soldatenfriedhöfe an."

Gewalt am Tempelberg

Kein Friede herrscht auch im Nahen Osten: Bei Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern auf dem Tempelberg in Jerusalem wurden mehr als 150 Menschen verletzt. Zu der Gewalt kam es am Freitag nach dem Ende der Morgengebete bei der Al-Aksa-Moschee. Palästinenser sollen Steine geworfen und Feuerwerkskörper gezündet haben, die israelischen Sicherheitskräfte identifizierten unter 12.000 Gläubigen rund 100 Gewaltbereite.

Den Konflikt verschärft heuer der Umstand, dass der Ramadan und das Pessachfest zeitlich zusammenfallen. In Israel geht man von weiterer Gewalt in den kommenden Tagen aus.

Die Lage ist angespannt, in den vergangenen Wochen sind bei vier Anschlägen in Israel 14 Menschen getötet worden. Erst vergangene Woche hatte ein Palästinenser in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv drei Menschen erschossen. Mehrere Palästinenser wurden bei Militäreinsätzen im Westjordanland getötet, aber auch bei ihren eigenen Anschlägen.

Unterdessen finden die Feierlichkeiten am Petersplatz nach zwei Jahren der Einschränkungen durch Corona in weiten Teilen wie gewohnt statt. Am Ostersonntag spricht Franziskus den traditionellen Segen "Urbi et orbi" wieder vor Gläubigen vom Balkon des Petersdoms - in den vergangenen beiden Jahren mussten sich die Pilger mit einem Livestream aus der Basilika begnügen. Wegen der Pandemie hatte Israel vor mehr als zwei Jahren seine Grenzen für Besucher geschlossen. Erst seit März dieses Jahres ist die Einreise auch für ungeimpfte Touristen gestattet.

Kritik an Friedenssymbol

Am Karfreitag um 15.00 Uhr gedachten die Christen in aller Welt des Todes von Religionsgründer Jesus Christus am Kreuz. In der Altstadt von Jerusalem versammelten sich tausende Menschen, die Polizeipräsenz war enorm. Die traditionelle Prozession, darunter viele Franziskanermönche, zog entlang der Via Dolorosa in der verwinkelten Altstadt bis zur Grabeskirche. Die Gläubigen schritten die Stationen auf dem Kreuzweg ab und trugen Holzkreuze in Gedenken an das Leiden Jesu.

Die Grabeskirche in Jerusalem steht an jenem Ort, an dem Jesus der christlichen Überlieferung nach gestorben und wieder auferstanden ist. Sie gilt als heiligster Ort des Christentums und als ein Zentrum der christlichen Osterfeiern.

In Rom fand am Freitag erstmals seit zwei Jahren unter Beteiligung des Papstes ein Kreuzweg am Kolosseum statt, eine ukrainische und eine russische Krankenpflegerin trugen streckenweise das Kreuz. Ein symbolischer Akt, der allerdings auch für Kritik sorgte. Der römisch-katholische Bischof von Kiew, Witalij Krywyzkyj, meinte, dass diese Aktion "unverständlich und nicht zu akzeptieren sein könnte für jene, die unter dem Aggressor leiden". Der Vatikan-Gesandte in der Ukraine, Visvaldas Kulbokas, sagte, dass es Versöhnung erst nach einem Stopp des Angriffs geben könne.

Am Gründonnerstag hat der Papst in der Strafanstalt von Civitavecchia nördlich von Rom zwölf Gefängnisinsassen - Männern und Frauen unterschiedlichen Alters und Nationalität - die Füße gewaschen. Der Vatikan bezeichnete das Treffen als "privaten Besuch". "Jesus lehrt uns dies, ganz einfach: Ihr müsst einander die Füße waschen (.. .) einer dient dem anderen, ohne Interesse: Wie schön wäre es, wenn es möglich wäre, dies jeden Tag und für alle Menschen zu tun", so Papst Franziskus.

Papst: "Wir sind Rassisten"

Der Petersplatz in Rom ist dieses Jahr für Besucher geöffnet, er soll sich künftig wieder häufiger füllen: Am 15. Mai will der Papst dort zehn Menschen heiligsprechen, unter ihnen der niederländische Nazi-Gegner und Ordensmann Titus Brandsma (1881-1942) und der französische Eremit Charles de Foucauld (1858-1916).

In Deutschland finden wieder die Ostermärsche der Friedensbewegung statt. Die Teilnehmer fordern ein sofortiges Ende des russischen Krieges in der Ukraine. Und sie riefen die Menschen zur Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen auf. Das Thema Migration beschäftigt auch den Papst: "Wir teilen die Flüchtlinge ein. Erste Klasse, zweite Klasse, Hautfarbe, ob sie aus einem entwickelten Land oder einem nicht entwickelten Land kommen: Wir sind Rassisten", so Franziskus im Gespräch mit Rai 1.