St. Petersburg. Der russische Präsident Wladimir Putin hält die Wirtschaft seines Landes trotz der westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs für robust. Die Versuche, diese zu schwächen, seien gescheitert, sagte Putin am Freitag auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Der wirtschaftliche "Blitzkrieg" gegen Russland habe keine Chance auf Erfolg.

Das Bankensystem sei stabilisiert worden. Es gebe ausreichend Liquidität, mit der die Wirtschaft versorgt werden könne. Düstere Prognosen über eine drastische Abwertung der Landeswährung Rubel hätten sich nicht erfüllt.

Es gebe Grund zu einem "gewissen Optimismus", ergänzte Russlands Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow beim Wirtschaftsforum. "Die Ergebnisse des ersten Quartals und die vorläufigen Einschätzungen für April und Mai zeugen davon, dass es besser wird" als bisher in den Prognosen erwartet. Die Inflation werde zum Jahresende "deutlich" niedriger ausfallen als die zuletzt prognostizierten 17,5 Prozent, sagte Reschetnikow. Zudem nannte er eine Begrenzung des Rückgangs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf fünf bis sechs Prozent "absolut erreichbar". Im Mai hatte das Ministerium den voraussichtlichen BIP-Einbruch noch auf 7,8 Prozent beziffert.

Der Westen macht Putin für zahlreiche Krisen sowie die hohen Preise für Energie und Lebensmittel verantwortlich. Wenig überraschend wies dies der 69-Jährige zurück: "Jahrelange Fehler der westlichen Staaten in der Wirtschaftspolitik und die unrechtmäßigen Sanktionen haben zu einer Welle der globalen Inflation geführt, zur Zerstörung gewohnter Liefer- und Produktionsketten und zu einem starken Anstieg der Armut und zum Defizit bei Lebensmitteln."

Aufgrund der Sanktionen hatten sich zahlreiche westliche Firmen aus Russland verabschiedet. Putin erklärte dazu, dass andere Unternehmen die Lücken füllten. So wurden etwa nach dem Abschied der US-Kette McDonald’s gerade in den Filialen neue Burgerrestaurants unter dem Namen Wkusno i Totschka - Deutsch: Köstlich und Punkt - eröffnet. In Moskau bilden sich bereits seit Tagen Schlangen vor den Lokalen.

Vorwurf des Kolonialismus

Auch abseits der Wirtschaftssanktionen attackierte Putin den Westen. Die USA agierten, als seien sie von Gott auf die Erde mit heiligen Interessen geschickt worden. "Unsere westlichen Kollegen denken immer noch in Kategorien des vergangenen Jahrhunderts, sie behandeln andere Länder wie Kolonien", sagte Putin ungeachtet der Tatsache, dass er den Befehl gegeben hat, die souveräne Ukraine zu kolonisieren. Auch betonte Russlands Machthaber, nichts in der internationalen Politik werde so sein, wie es einmal gewesen sei. Der prorussische Separatistenführer in der ostukrainischen Region Donezk, Denis Puschilin, sprach sich für eine Eroberung der gesamten Ukraine durch die russische Armee aus.

Taliban als Ehrengast

Puschilin war ebenso Ehrengast wie die Führung der zweiten russisch gesteuerten "Volksrepublik" im ukrainischen Donbass, der Präsident Kassym-Schomart Tokajew der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Kasachstan und die Taliban aus Afghanistan. Das St. Petersburger Wirtschaftsforum gilt als Gegenstück zum World Economic Forum in Davos.

Putin konnte seine Rede erst mit Verzögerung antreten, im Vorfeld kam es zu einem Hackerangriff auf das Wirtschaftsforum. Server erhielten gezielt so viele Anfragen, dass sie diese unter der Last der Aufgaben nicht mehr bewältigen konnten.