Die UNO hat Spanien und Marokko nach den tödlichen Vorfällen am Grenzzaun der in Marokko liegenden spanischen Exklave Melilla "unangemessene Gewalt" vorgeworfen. Diese Gewalt habe zum "Tod von dutzenden Menschen" geführt, bei denen es sich um Asyl-Bewerber und Migranten gehandelt habe, erklärte UNO-Sprecher Stéphane Dujarric am Dienstag. Diese Vorgänge seien "inakzeptabel" und müssten "untersucht werden".

Menschen, die sich auf den Weg gemacht hätten, hätten Menschenrechte, die beachtet werden müssten, sagte der Sprecher von UNO-Generalsekretär António Guterres. Diese Menschenrechte würden aber "allzu oft nicht eingehalten". Dies sei "auf beiden Seiten der Grenze" zu beobachten gewesen.

Das UNO-Menschenrechtsbüro und der UNO-Ausschuss für Wanderarbeitnehmer riefen Spanien und Marokko auf, die Umstände der 23 Todesfälle am Grenzzaun der spanischen Exklave Melilla zu untersuchen. Wenn es Verantwortliche für die Tragödie gebe, müssten sie zur Rechenschaft gezogen werden, sagte eine Sprecherin des UNO-Menschenrechtsbüros am Dienstag in Genf.

Schutz von Wanderarbeitnehmern

Die Europäische Union müsse sichere, ordentliche Migrationswege einrichten, damit solche Tragödien verhindert werden, forderte der UNO-Ausschuss für Wanderarbeiter (CMW), der über die Einhaltung der UNO-Konvention zum Schutz von Wanderarbeitnehmern und ihren Familien wacht. Beide Stellen appellierten nach Berichten, wonach marokkanische Sicherheitskräfte bei einem Massenansturm auf den Grenzzaun auf Migranten einschlugen, an die Regierungen beider Länder, die Menschenrechte der Migranten zu wahren und keine exzessive Gewalt anzuwenden. Alle Menschen müssten an Grenzen die Möglichkeit haben, um Schutz zu bitten und ihre Anträge müssten individuell geprüft werden, sagte die Sprecherin in UNO-Menschenrechtsbüros.

Auch Papst Franziskus hat seinen Schmerz über die in der spanischen Exklave Melilla sowie im US-Staat Texas gestorbenen Migranten zum Ausdruck gebracht. "Beten wir gemeinsam für unsere Brüder und Schwestern, die auf ein besseres Leben gehofft hatten und dabei umgekommen sind; der Herr öffne unsere Herzen, solche Unglücke dürfen sich nicht wiederholen", schrieb der Papst am Dienstag laut Kathpress auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Nach dem Tod von mindestens 23 Migranten bei Melilla hat auch die katholische EU-Bischofskommission COMECE laut Kathpress Bestürzung geäußert. Die Ereignisse müssten unabhängig untersucht werden, forderte Generalsekretär Manuel Barrios in einer Stellungnahme am Montagabend. Er sprach den Familien aller Opfer Beileid aus und forderte eine umgehende Identifizierung und Rückgabe der Leichname an die Familien.

"Ein Blankoscheck für Nachbarländer"

Der Umgang der EU und ihrer Mitgliedsstaaten könne nicht darin bestehen, "einen Blankoscheck für Nachbarländer auszustellen, die die unveräußerliche Würde von Migranten und Flüchtlingen nicht respektieren", betonte Barrios, der gleichzeitig auch Gewalt vonseiten der Migranten verurteilte. Namens der COMECE forderte er die absolute Achtung der Menschenwürde und der Grundrechte von Migranten und Flüchtlingen. Die Überprüfung von Asylansprüchen müsse gewährleistet sein.

Der tragische Zwischenfall ereignete sich am vergangenen Freitag. Bis zu 2.000 Menschen hatten versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und Melilla zu überwinden. Dabei kamen nach einem Bericht des marokkanischen Staatsfernsehens 23 Menschen ums Leben. 76 wurden nach Angaben des UNO-Menschenrechtsbüros verletzt. Die spanische Stadt mit rund 90.000 Einwohnern liegt an der Mittelmeerküste Marokkos rund 180 Kilometer vom spanischen Festland entfernt. Sie ist trotz eines teils zehn Meter hohen Grenzzauns immer wieder Ziel von Migranten, die in die Europäische Union wollen.

Am Montag (Ortszeit) wurden zudem in einem Lastwagen im US-Staat Texas mindestens 46 tote Migranten entdeckt. Offenbar starben sie wegen der großen Hitze in dem Fahrzeug. Unter den Opfern sind zahlreiche Teenager. In Lastwagen werden immer wieder Migranten auf illegalem Weg in die USA geschleust. (APA / dpa / AFP)