Sein wichtigstes Ziel hat Joe Biden in Saudi-Arabien nicht erreicht. Kronprinz Mohammed bin Salman blieb bei der Erhöhung der Ölförderquote vage; der US-Präsident musste die Heimreise ohne die erhoffte Unterstützung im Kampf gegen die hohen Spritpreise antreten.

Als greifbarstes Resultat des umstrittenen Besuchs in der erzkonservativen Golfmonarchie bleibt für Biden damit wohl die Weiterentwicklung der Anti-Iran-Allianz in der Region. Saudi-Arabien hatte bereits unmittelbar vor der Ankunft des US-Präsidenten seinen Luftraum für israelische Flugzeuge geöffnet - der gemeinsame Gegner in Teheran eint die beiden jahrzehntelang verfeindeten Länder mittlerweile fast schon mehr, als sie die komplizierte und belastete Geschichte trennt.

Was sich im Vergleich zur vier Monate vor den US-Midterm-Wahlen alles überschattenden Teuerung wie ein Detail ausnimmt, ist für die Regierung in Washington allerdings dennoch eine wichtige Wegmarke. Denn mit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist die Auseinandersetzung mit dem Iran endgültig vom regionalen zum globalen Konflikt geworden, bei dem sich auf beiden Seiten die Blöcke immer stärker zu formieren beginnen.

So besucht Russlands Präsident Wladimir Putin, der seit dem Beginn der Invasion am 24. Februar nur in die beiden früheren Sowjetrepubliken Tadschikistan und Turkmenistan gereist ist, heute, Dienstag, Teheran, um dort mit seinem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zusammenzutreffen. Seit dem Einmarsch und den darauf folgenden westlichen Sanktionen ist der Kriegsherr im Kreml stets darum bemüht, zu zeigen, dass Russland sehr wohl noch Freunde hat in der Welt. So kündigte die Regierung in die Moskau wiederholt an, die Wirtschaftsbeziehungen mit großen Schwellenländern ausbauen zu wollen, und verweist dabei etwa auf steigende Öllieferungen nach China oder Handelspartnerschaften mit Indien.

Nur Russland liefert noch

Der Iran und Russland sind allerdings keine natürlichen Partner. Nach der Revolution 1979 lautete die außenpolitische Doktrin des Irans lange Zeit: "Weder West, noch Ost, nur die Islamische Republik." Bis heute arbeiten iranische Privatunternehmen oft ungern mit Russen zusammen. Auch in politischen Kreisen ist immer wieder zu hören, Russland sei kein verlässlicher Partner - und insbesondere Putin nicht, der den Iran jederzeit für eigene Interessen fallen lassen könne. Doch wegen seines umstrittenen Atomprogramms und US-amerikanischer Sanktionen ist Teheran seit Jahren zunehmend isoliert und auf Moskau als Partner angewiesen. Wirtschaftlich haben beide Länder zwar nur ein verhältnismäßig kleines Handelsvolumen von etwa vier Milliarden Euro. Zugleich aber ist Russland an wichtigen Projekten wie dem AKW Bushehr beteiligt. Russland unterstützt den Iran auch mit militärischer Ausrüstung, die das Land wegen der US-Strafmaßnahmen woanders nur schwer beschaffen kann.

Offiziell geht es bei Putins Besuch um die Exportmöglichkeiten für ukrainisches Getreide und um eine Verbesserung der Lage in Syrien. Auch im Bürgerkriegsland ziehen Moskau und Teheran an einem Strang; beide unterstützen den im Westen geächteten Machthaber Bashar al-Assad und nutzen ihre Stellung in Syrien als Hebel für andere Konflikte. Erst am Samstag wurde bekannt, dass eine noch für Juli geplante Runde der Verfassungsgespräche mit der syrischen Regierung, der Opposition und der Zivilgesellschaft in Genf abgesagt wurde. Russland hatte sich zuvor für eine Verlegung der Gespräche ausgesprochen - mit der Begründung, dass die Schweiz aufgrund ihrer gegen Moskau verhängten Sanktionen ihre Neutralität verloren habe.

Schickt der Iran Drohnen?

Die USA wiederum vermuten, Russlands Interesse am Iran könnte aktuell noch ganz andere Gründe haben. Es gebe Hinweise, dass Moskau iranische Kampfdrohnen für den Krieg gegen die Ukraine erwerben wolle, sagte Jake Sullivan, der Nationale Sicherheitsberater von Joe Biden, am Tag, bevor das Treffen zwischen Raisi und Putin offiziell bekannt gemacht wurde. Den USA zufolge soll eine russische Regierungsdelegation auch schon einen iranischen Flughafen für eine Vorführung angriffsfähiger Drohnen besucht haben.

Der Iran dementierte das umgehend und versicherte der Ukraine, die US-Behauptungen seien "grundlos". Was den Krieg angehe, sei man in Teheran neutral. Auch aus dem Kreml hieß es zuletzt, Putin und Raisi würden am Dienstag nicht über Drohnen-Lieferungen sprechen. Zu späteren Verhandlungen wollte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow keinen Kommentar abgeben.(rs/dpa)