Kampala/Brazzaville/Jaunde. Der Krieg Russlands in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf Afrika - und das nicht nur wegen ausbleibender Getreidelieferungen aus ukrainischen Häfen: Da der Westen seit Kriegsbeginn versucht, Moskau international zu isolieren, ist der Kreml bestrebt, diese Politik zu unterlaufen. Ein Mittel dazu ist intensive Besuchsdiplomatie - und so absolviert Russlands Außenminister Sergej Lawrow derzeit eine Reise durch vier afrikanische Länder. Am Sonntag war er in Ägypten zu Gast, am Montag folgte die Republik Kongo, am Dienstag Uganda und Äthiopien.

Seine Botschaft an die vier Länder hat Lawrow schon zuvor in einem langen Zeitungsartikel formuliert: "Wir sind dem Prinzip ‚Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme‘ verpflichtet", schrieb der russische Chefdiplomat - nicht ohne die übliche Spitze gegen den Westen anzubringen: Dieser Zugang sei an anderer als das "Master-Sklave"-Modell jener, die nur das "überflüssig gewordene koloniale Modell" wiederholen würden. Moskau habe "immer aufrichtig die Afrikaner in ihrem Kampf für die Befreiung von kolonialer Unterdrückung praktisch unterstützt".

Tatsächlich gelingt es dem Kreml, bei vielen Potentaten des Kontinents zu punkten - aber wohl weniger wegen der Befreiungsparolen als wegen des Umstands, dass Moskau keine unangenehmen Fragen zu Demokratie und Menschenrechten stellt. So ist es etwa kein Zufall, dass Lawrow Ugandas Präsidenten Yoweri Museveni besuchte: Dort wurden die Präsidentschaftswahlen im Vorjahr vom Westen scharf kritisiert, weil Museveni gewaltsam gegen die Opposition vorging. Von Peking oder Moskau muss sich der Langzeit-Herrscher keine solchen Vorhaltungen anhören.

Waffen gegen Rohstoffe

Russland hat auch einiges zu bieten. Zwar keine Infrastruktur-Projekte oder viele Konsumartikel, aber dafür Handfestes: Waffen. Fast die Hälfte aller Waffen, die nach Afrika geliefert werden, kommt aus Russland. Mit mehr als 20 Staaten des Kontinents hat der Kreml in den vergangenen zehn Jahren Militärhilfeabkommen geschlossen. Russland verkauft Waffen, schickt Ausbilder, manchmal auch Söldner.

Im Gegenzug darf Moskau Rohstoffe wie Öl, Gas, Uran oder Gold ausbeuten. Außerdem zeigen sich die Partnerstaaten auf UN-Ebene selten russlandskritisch - auch was den Ukraine-Krieg betrifft: Lawrows Erzählung, der Westen sei schuld am Getreideproblem, da Russland wegen der Strafmaßnahmen nicht mehr ungehindert Frachtschiffe chartern könne, stößt in Afrika auf offene Ohren.

Der Westen nimmt Russlands Afrika-Offensive jedenfalls ernst, eine Art Wettrennen ist im Gang: Gleichzeitig mit Lawrow ist auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron auf Afrika-Tour. Am Dienstag besuchte er Kamerun, anschließend geht es weiter nach Benin und Guinea-Bissau. Und auch die USA schicken derzeit ihren Sondergesandten Michael Hammer unter anderem nach Ägypten und Äthiopien.(leg)