In den Reihen der Befürworter des Rechts auf Abtreibung brach Jubel aus, als die ersten Hochrechnungen verkündet wurden. Im US-Bundesstaat Kansas lehnte die Bevölkerung am Dienstag in einem Referendum ab, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch aus der Landesverfassung zu streichen. Nach der Auszählung von 95 Prozent der Stimmen lag der Anteil der Nein-Stimmen laut "New York Times" am Mittwoch in der Früh bei 58,8 Prozent. Andernfalls hätten Abtreibungen erheblich eingeschränkt oder ganz verboten werden können.

Das Referendum im Bundesstaat im Mittleren Westen war das erste Votum zu dem Thema, seit der Oberste Gerichtshof der USA am 24. Juni das landesweite Grundrecht auf Abtreibung gekippt hatte. Damit wird Kansas zum Refugium für Schwangere aus den nahe gelegenen Bundesstaaten Oklahoma, Texas und Missouri, in denen Schwangerschaftsabbruch mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen verboten ist.

Gleichzeitig gilt das Referendum als als Testfall für die Abtreibungsrechte in den USA insgesamt. Zahlreiche republikanisch dominierte Bundesstaaten ebnen nach der Entscheidung des Supreme Court in Washington derzeit den Weg für strikte Abtreibungsverbote.

Biden erfreut über Ausgang des Votums

Der Abstimmungstext in Kansas war unter dem Namen "Value Them Both" ("Wertschätze sie beide") vom dort republikanisch dominierten Parlament eingebracht worden. Damit sollte das in der Landesverfassung verankerte Recht auf Abtreibung bis zur 22. Schwangerschaftswoche abgeschafft werden.

Aktivisten für Abtreibungsrechte feierten den Ausgang des Votums als deutliches Zeichen des Wählerwillens in den USA. Auch US-Präsident Joe Biden freute sich über das Abstimmungsergebnis: "Dies ist ein wichtiger Sieg für Kansas, aber auch für jeden Amerikaner, der glaubt, dass Frauen in der Lage sein sollten, ihre eigenen Gesundheitsentscheidungen ohne staatliche Einmischung zu treffen."

Mehrheit der Amerikaner für Recht auf Abtreibung

Tatsächlich hatte die Aufhebung des Grundsatzurteils "Roe gegen Wade" durch den Supreme Court im Juni – wodurch das landesweite Grundrecht auf Abtreibung gekippt wurde –, für ein politisches Erdbeben in den USA gesorgt. Weil es kein Bundesgesetz zu Abtreibungen gibt, können Bundesstaaten jetzt Schwangerschaftsabbrüche weitgehend oder komplett verbieten.

Dabei steht die Entscheidung der Höchstrichter der Mehrheitsmeinung der US-Amerikaner entgegen: Gemäß Umfragen befürworten rund zwei Drittel der Amerikaner das Recht auf Abtreibung. Für Demokraten und Befürworter der Wahlfreiheit sind nun auch die Ergebnisse in Kansas ein Zeichen dafür, dass der Spruch des Obersten Gerichtshofs nicht im Einklang mit dem öffentlichen Interesse steht.

Votum als Gradmesser für Zwischenwahlen

Nun stehen weitere Voten an: In den Bundesstaaten Kalifornien, Vermont und Kentucky stimmen die Wähler am 8. November über das Recht auf Abtreibungen ab. Zeitgleich finden die US-weiten Zwischenwahlen statt, bei denen Republikaner und Demokraten um die Vorherrschaft im Kongress ringen.

Dabei wird das Thema Abtreibung als Gradmesser für den Ausgang des Urnengangs gewertet. Vor allem die Demokraten wollen dem eine zentrale Position in ihrer Kampagne einräumen und damit Wähler mobilisieren. (reu/apa/just)