Für Donald Trump galt wieder einmal: Alles Lüge. So bezeichnete der ehemalige US-Präsident Medienberichte, wonach Bundesbeamte nach Dokumenten über Atomwaffen gesucht hätten, als sie diese Woche Trumps Anwesen in Florida unter die Lupe genommen haben. Zunächst sei aber nicht klar gewesen, ob solche Papiere gefunden wurden und ob sie die USA oder andere Staaten betroffen hätten, schrieb die "Washington Post".

Bis Freitag war nur bekannt, dass der Hintergrund der Durchsuchung durch die Bundespolizei FBI am Montag offenbar Trumps Umgang mit Dokumenten aus dessen Amtszeit war. Anfang des Jahres hatte der Ex-Präsident zwar mehrere Kisten mit vertraulichem Material dem Nationalarchiv übergeben, das für die Aufbewahrung präsidialer Korrespondenz zuständig ist. Später hätten Ermittler jedoch den Verdacht gehabt, dass Trump oder sein Team weiter wichtige Unterlagen zurückhielten, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf anonyme Quellen. Das FBI soll demnach diese Woche an die zehn Kisten mitgenommen haben.

Warnung an Justizminister

Was die Behörde dabei gesucht hat, soll publik gemacht werden - zumindest, wenn es nach dem Willen des Justizministeriums geht. Dieses habe bei einem Bundesgericht beantragt, den Durchsuchungsbefehl und die Quittung für etwaige beschlagnahmte Gegenstände zu veröffentlichen, teilte Ressortchef Merrick Garland mit. Am Donnerstag hatte er sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Er ging mit einer Stellungnahme an die Presse und erklärte, persönlich die Ermittlungen des FBI gegen den Ex-Präsidenten genehmigt zu haben. Das Vorgehen Garlands, der als Justizminister in den USA auch oberster Ankläger des Landes ist, ist exzeptionell, da Strafverfolgungsbehörden üblicherweise nicht über laufende Ermittlungen sprechen. Garland rechtfertigte es mit dem erheblichen öffentlichen Interesse an dem Fall. Zudem habe Trump selbst zuvor über die Durchsuchung gesprochen.

Der äußerte sich am Freitag auch zu dem "Atomwaffen-Thema", wie er es auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social bezeichnete. An diesem "Schwindel" sah er "dieselben schäbigen Leute beteiligt" wie an anderen Ermittlungen gegen sich.

Und Trump ist nicht der einzige, der die Strafverfolgungsbehörden kritisiert. Bei den Republikanern schlug die Razzia auf dem Luxusanwesen Mar-a-Lago hohe Wellen. Elise Stefanik, Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, konstatierte im Kurzbotschaftendienst Twitter, an ihre Anhänger gewandt: "Wenn das FBI bei einem US-Präsidenten eine Durchsuchung vornehmen kann, stellt Euch vor, was sie mit Euch machen können." Kevin McCarthy, Minderheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, twitterte gar eine Warnung an Justizminister Garland, dass auch dieser zum gegebenen Zeitpunkt im Mittelpunkt von Ermittlungen stehen könnte.

Angriff auf FBI-Gebäude

In sozialen Medien und auf Trump unterstützenden Plattformen war von "politischer Verfolgung", einem "tiefen Staat" und Vorbereitungen zu einem Krieg die Rede. Daher wuchs die Sorge vor gewaltsamen Übergriffen.

Einen solchen gab es am Donnerstag - auch wenn zunächst nicht klar war, ob er im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Trump stand. Ein bewaffneter Mann versuchte, in eine Außenstelle des FBI in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio einzudringen. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er bei einem Schusswechsel von der Polizei erschossen. Ein Reporter von NBC News berichtete unter Berufung auf zwei nicht genannte Beamte der Strafverfolgungsbehörden auf Twitter, der Mann habe sich am 6. Jänner beim Sturm von Trumps Anhängern auf das Kapitol in Washington aufgehalten.(reuters/dpa)