Wenn der Ex-Präsident zurückkommt, wird das Schiff wieder abgelegt haben. Einen Tag nachdem ein chinesisches Überwachungsschiff die Küste Sri Lankas erreicht hatte, kündigte der ehemalige Staatschef Gotabaya Rajapaksa am Mittwoch an, am 24. August in seine Heimat zurückkehren zu wollen. Seit einem Monat hält er sich im Ausland auf, seitdem die Unzufriedenheit seiner Landsleute sich in Massenprotesten und der Erstürmung des Präsidentenpalasts kanalisiert hat.

Sowohl der Name Rajapaksa als auch jener des Schiffes, "Yuan Wang 5", stehen für politische Turbulenzen samt ökonomischen Verwicklungen. Den Clan der Rajapaksas, die jahrelang etliche Regierungsposten besetzt haben, machen die Menschen mitverantwortlich für die schwerste Wirtschaftskrise seit der Erlangung der Unabhängigkeit Sri Lankas von Großbritannien 1948.

Das Anlegen der "Yuan Wang 5" wiederum hat im Vorfeld für Zwistigkeiten mit dem Nachbarstaat Indien gesorgt. In Neu-Delhi wurden Befürchtungen geäußert, dass das chinesische Forschungsschiff der Spionage dienen und militärische Einrichtungen in Indien ausspähen könnte. Das Außenministerium in Colombo versicherte aber, dass das Schiff lediglich zum Verladen von Vorräten in Sri Lanka anlegen würde.

Kredite aus Indien und China

Der Inselstaat mit seinen rund 22 Millionen Einwohnern befindet sich dabei in der Zwickmühle. Er kann weder Indien noch China vergrämen, denn beide gehören zu seinen größten Kreditgebern. Außerdem hat Indien dem Nachbarn umfangreiche Hilfe bereitgestellt, darunter Lebensmittel, Treibstoff, Medikamente und Gas zum Kochen - Güter, die das verschuldete Sri Lanka nicht mehr importieren konnte.

China wiederum hat dem Land Milliarden Dollar für Entwicklungsprojekte geliehen, die für den kleinen, aber strategisch wichtigen Staat im Indischen Ozean nach Ansicht von Kritikern jedoch teils nur von geringem Nutzen sind. Dazu wird der Hafen Hambantota gezählt, den Sri Lanka 2017 an China verpachtete, weil es seine Schulden nicht zurückzahlen konnte.

Indien befürchtet laut Medienberichten, dass der Hafen Peking künftig als Militärbasis dienen könnte. Er liegt in der Nähe der wichtigsten Schifffahrtsrouten von Asien nach Europa.

Zugleich aber ist Sri Lanka darauf angewiesen, dass China einer Umstrukturierung der Kredite zustimmt. Dies gilt als eine Bedingung für ein von Colombo erhofftes Rettungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Umfang von drei Milliarden Dollar.

Auf das Finanzpaket setzt auch der neue Präsident Sri Lankas, Ranil Wickremesinghe. Er hat die Amtsgeschäfte von Rajapaksa übernommen, obwohl er selbst im Zusammenhang mit dessen Familie genannt wird und die Demonstranten auch seinen Rückzug gefordert hatten. Gegen die Protestierenden war Wickremesinghe zunächst scharf vorgegangen. Wie Medien berichteten, seien mehr als 150 Menschen festgenommen worden.

Mittlerweile sind die Demonstrationen jedoch abgeflaut - auch weil es Wickremesinghe gelang, den Mangel an Benzin etwas zu entschärfen. Vor wenigen Tagen wurde das Hauptprotestlager nahe des Präsidentenbüros in Colombo geräumt.

Daher läuft nun ebenfalls der Ausnahmezustand aus, den Wickremesinghe vor einem Monat verhängen ließ. Es gebe keine Notwendigkeit, die Regelung zu verlängern, teilte sein Büro am Mittwoch mit.

Rückkehr wirft Fragen auf

Wickremesinghe, der schon sechs Mal das Amt des Premierministers innehatte, strebt eine All-Parteien-Regierung an, stößt jedoch auf Skepsis. Noch vor gut zwei Wochen hatte sich der 73-Jährige in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" zu einer möglichen Rückkehr seines Vorgängers, Rajapaksa geäußert: "Ich glaube nicht, dass es für ihn Zeit ist zurückzukommen."

Welche Auswirkungen die Ankunft des Ex-Präsidenten, die der Sender Newsfirst ankündigte, haben wird, ist noch offen. Doch ist Rajapaksa der Mann, gegen den sich der Zorn der Protestierenden hauptsächlich gerichtet hatte. Und weiterhin machen den Menschen Inflation sowie Mangel an wichtigen Gütern ebenso zu schaffen wie die Folgen der Corona-Pandemie, die den für Sri Lanka wichtigen Tourismussektor ins Mark getroffen hat. (czar/dpa/reu)