Nach den heftigen Unruhen in der Universität Scharif in Teheran wurde der Unterricht bis auf weiteres eingestellt. Nach Angaben des Nachrichtenportals Aftab-News werde der Unterricht in der iranischen Hochschule ab Montag nur noch online stattfinden. Studenten zufolge ist das wegen der Internetsperren, die im Zusammenhang mit den systemkritischen Protesten verhängt wurden, derzeit kaum machbar.

Am Sonntagabend waren Sicherheitskräfte örtlichen Medienberichten zufolge mit Gewalt gegen Studierende vorgegangen. Polizisten und Milizen riegelten den Campus in der Nacht zu Montag ab. Auch mehrere Professoren der Elite-Universität sollen nach Angaben des iranischen Nachrichtenportals "Emtedad" verprügelt worden sein. In den sozialen Medien war von einem Polizeiangriff und "bürgerkriegsähnlichen" Zuständen die Rede. Die iranischen Medien wiese diese Berichte als übertriebene Stimmungsmache gegen das System zurück.

IHR: Mehr als 130 Todesopfer

Bei den Protesten nach dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini im Iran sind nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) bisher mehr als 130 Menschen getötet worden. Wie die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation am Sonntag mitteilte, wurden in den zwei Wochen nach dem Tod Aminis mindestens 92 Menschen im Iran im Zuge des Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten getötet. Dazu kamen am Freitag 41 Tote bei Protesten in der Provinz Sistan-Baluchestan.

"Die internationale Gemeinschaft hat die Pflicht, dieses Verbrechen aufzuklären und weitere Verbrechen verhindern, die von der Islamischen Republik verübt werden", erklärte der IHR-Vorsitzende Mahmood Amiry-Moghaddam. Amnesty International hatte am Freitag berichtet, die iranischen Behörden setzten absichtlich tödliche Gewalt zur Unterdrückung der anhaltenden Proteste ein. Sie hätten "ihre gut geschliffene Repressionsmaschinerie mobilisiert, um landesweite Proteste rücksichtslos zu unterdrücken".

Forderung nach Sanktionen

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock fordert angesichts des Vorgehens iranischer Sicherheitskräfte gegen die Frauen-Proteste weitere EU-Sanktionen gegen die Islamische Republik. Es sei "schwer zu ertragen", dass die außenpolitischen Möglichkeiten begrenzt seien, räumte die Grünen-Politikerin in einem Beitrag auf Twitter am Montag ein. "Aber wir können ihre Stimme verstärken, Öffentlichkeit schaffen, anklagen und sanktionieren. Und das tun wir."

Mit Blick auf das jüngste Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Studenten der Sharif Universität in Teheran schrieb Baerbock weiter: "Der Mut der Iraner*innen ist unglaublich. Und die rohe Gewalt des Regimes Ausdruck der puren Angst vor der Kraft von Bildung und Freiheit." Laut "Spiegel" hat die Bundesregierung zusammen mit Frankreich, Dänemark, Spanien, Italien und Tschechien Vorschläge für neue EU-Sanktionen gegen den Iran unterbreitet. Danach sind Strafen gegen 16 Personen, Organisationen und Einrichtungen vorgesehen. Beschlossen werden sollen die Sanktionen beim Treffen der EU-Außenminister am 16. Oktober.  (apa, dpa)