Wegen der Explosion auf der für Moskau wichtigen Krim-Brücke sind acht Personen festgenommen worden. Es handle sich um fünf Russen sowie um drei Bürger der Ukraine und Armeniens, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch unter Berufung auf den russischen Geheimdienst FSB. Die Internationale Atom-Energieagentur meldete indes, dass das AKW Saporischschja wieder von der externen Stromversorgung abgeschnitten sei. Russland blockiert laut Betreiber den Dieseltransport.

Der Anschlag auf die Krim-Brücke sei vom ukrainischen Militärgeheimdienst organisiert worden, teilte der FSB-Pressedienst mit. Namentlich wird dessen Direktor Kyrylo Budanow als Organisator genannt. Der Sprengsatz sei von der Ukraine über Bulgarien, Georgien und Armenien nach Russland gebracht worden. Nach eigenen Angaben hat der FSB ukrainische Angriffe in Moskau und der westrussischen Stadt Brjansk verhindert.

Die ukrainische Führung wies die russischen Ermittlungen zurück. Die gesamte Tätigkeit des FSB und des Untersuchungsausschusses seien Unsinn, sagte Andrij Jussow, der Sprecher des Innenministeriums in Kiew, dem ukrainischen Sender Suspilne zufolge. Der FSB und Untersuchungsausschuss dienten nur dem Putin-Regime, sagt Jussow mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Daher werden wir ihre nächsten Äußerungen definitiv nicht kommentieren."

Putin hatte bereits unmittelbar nach der Explosion den ukrainischen Geheimdienst verantwortlich gemacht und Luftangriffe auf ukrainische Städte angeordnet. Am Montag kam es infolge dessen zu umfangreichem Raketenbeschuss unter anderem auch auf die Hauptstadt Kiew, die nach einer ersten Offensive zu Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar weitgehend verschont geblieben war.

Die 19 Kilometer lange Krim-Brücke führt über die Straße von Kertsch, eine Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Das Prestigeprojekt Putins war 2018 vier Jahre nach Russlands völkerrechtswidriger Annexion der Krim eröffnet worden. Für Moskaus Kriegseinsatz in der Ukraine spielt die Brücke eine entscheidende Rolle, denn über sie wird vom russischen Festland ein erheblicher Teil des Nachschubs für die Soldaten auf der Krim und in der größtenteils besetzten südukrainischen Region Cherson geliefert. Die Krim war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel ukrainischer Gegenangriffe.

Weitere Explosionen

In der von russischen Truppen besetzten Stadt Cherson im Süden der Ukraine waren nach russischen Medienberichten am Mittwoch fünf Explosionen zu hören. Nach inoffiziellen Informationen seien Luftverteidigungssysteme gestartet worden. Cherson ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Region und eine der ersten Städte, die in der russischen Invasion fielen. Die Region Cherson wurde wie die Regionen Saporischschja, Luhansk und Donezk kürzlich von Russland annektiert, was international nicht anerkannt wird.

Bei den russischen Raketenangriffen in den vergangenen zwei Tagen sind nach ukrainischen Angaben rund 30 Prozent der Energieanlagen des Landes getroffen worden. Das russische Militär missachte internationale Regeln, sagte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko dem US-Sender CNN. "Sie kümmern sich nicht um irgendwelche internationalen Vereinbarungen oder Konventionen." Er fügte hinzu: "Wir senden diese Botschaft an unsere Partner: Wir müssen den Himmel schützen."

Neue Rüstungslieferungen

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow dankte in der Nacht auf Mittwoch für Rüstungslieferungen aus den USA und Deutschland. "Eine neue Ära der Luftverteidigung" habe in der Ukraine begonnen, schrieb Resnikow auf Twitter. Das Luftabwehrsystem IRIS-T aus Deutschland sei bereits angekommen. Raketenwerfersysteme des Typs NASAMS aus den USA seien unterwegs. Zudem seien vier zusätzliche HIMARS-Raketenwerfer aus den USA in der Ukraine eingetroffen.

Die USA haben laut dem Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) der Ukraine vom 4. August bis 3. Oktober gut 52 Mrd. Euro an militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe zugesagt. Die europäischen Länder und EU-Institutionen weiteten ihr Engagement in diesem Zeitraum nur um rund 1,4 Mrd. Euro aus, womit die Gesamtsumme den Angaben nach auf knapp 29 Mrd. Euro steigt. "Die USA engagieren sich jetzt beinahe doppelt so stark wie alle EU-Länder und die EU-Institutionen insgesamt", sagte IfW-Experte Christoph Trebesch.

AKW ohne Strom

Das Atomkraftwerk Saporischschja werde wieder über seine Notfall-Dieselgeneratoren versorgt, schrieb IAEA-Chef Rafael Grossi am Mittwoch auf Twitter. Die russische Seite blockiert allerdings nach ukrainischen Angaben am Mittwochvormittag einen Dieseltransport zum von russischen Truppen besetzten AKW. Einem Konvoi von Tankfahrzeugen sei die Zufahrt verwehrt worden, teilte der AKW-Betreiber Energoatom mit.

Eine wie von Grossi geforderte Sicherheitszone rund um das AKW Saporischschja kann russischen Angaben zufolge erst eingerichtet werden, wenn die Frontlinie 100 Kilometer weit entfernt ist, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti den von Russland eingesetzten Statthalter der südukrainischen Region, Jewgeni Balizki. (apa, dpa, reuters)