Bei den Protesten im Iran sind in den vergangenen Wochen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen mindestens 201 Menschen getötet worden, darunter 23 Kinder. In der Hauptstadt-Provinz Teheran etwa seien elf Menschen getötet worden, 28 weitere in der Provinz Mazandaran, erklärte die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) am Mittwoch.

"Kinder haben das Recht zu demonstrieren", erklärte IHR-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam mit Blick auf die minderjährigen Todesopfer. Die Vereinten Nationen hätten "die Pflicht, die Rechte iranischer Kinder zu verteidigen, indem sie Druck auf die Islamische Republik ausüben". Die Proteste im Iran waren durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini ausgelöst worden. Die 22-Jährige war am 16. September in Teheran gestorben, nachdem sie dort drei Tage zuvor von der Sittenpolizei wegen des Vorwurfs festgenommen wurde, ihr Kopftuch nicht den Vorschriften entsprechend getragen zu haben.

Im Zuge der Proteste, an denen sich früh auch Schülerinnen und Schüler beteiligten, wurden hunderte Menschen festgenommen. Mehreren Menschenrechtsorganisationen zufolge gingen die Sicherheitskräfte in Sanandaj besonders hart gegen die Demonstranten vor. Sanandaj ist die Hauptstadt der Provinz Kurdistan im Nordwesten des Iran, aus der Amini stammte.

Laut der in Teheran ansässigen iranischen Gesellschaft für den Schutz von Kinderrechten seien bereits sogar 28 Kinder bei diesen Konfrontationen getötet wurden. Die meisten dieser Todesfälle hätten sich in Sistan-Baluchistan ereignet, wo es laut IHR mit 93 Toten die größte Zahl an Todesfällen unter allen Provinzen gab. Die Organisation erklärte weiter, Familien würden "im Ungewissen über den Verbleib ihrer Kinder gelassen". Außerdem werde Minderjährigen der Beistand durch Anwälte und die Prüfung ihrer Fälle durch Kinder-Richter vorenthalten.

Die Gesellschaft für den Schutz von Kinderrechten forderte, die Regierung müsse für diese Missstände "zur Rechenschaft gezogen" werden. Jeder, "egal welchen Ranges, der der Urheber von Gewalt oder Schikanierung von Kindern oder ihres Todes war", müsse bestraft werden.

Der Vize-Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Ali Fadavi, hatte iranischen Medien vor einer Woche gesagt, das "Durchschnittsalter der Festgenommenen bei vielen der jüngsten Proteste" habe bei 15 Jahren gelegen. Der Menschenrechtsanwalt Hassan Raisi sagte, einige der Minderjährigen würden in Haftzentren für erwachsene Drogen-Straftäter festgehalten. "Das ist sehr besorgniserregend", erklärte Raisi in einem Bericht, den die in London ansässige Website "Iran Wire" am Mittwoch veröffentlichte. Nach Raisis Informationen befinden sich im Iran etwa 300 Menschen zwischen 12 und 19 Jahren in Polizeigewahrsam. (APA/AFP)