Der russische Botschafter in Wien hat bereits im Vorfeld des Präsidentenbesuchs Kritik an den Bestrebungen der österreichischen Bundesregierung geübt, den Status der immer währenden Neutralität aufzugeben. Dies "kann als Versuch interpretiert werden, die völkerrechtlichen Verpflichtungen durch die Schaffung von neuen Tatsachen zu umgehen", sagte Golowin.

Innere Angelegenheit

Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner wies dies umgehend zurück und erklärte, eine Änderung des Neutralitätsgesetzes sei eine "rein österreichische Angelegenheit". Der Dritte Nationalratspräsident Werner Fasslabend sprach sogar von einer "Einmischung in österreichische Verfassungsfragen".

Die wirtschaftlichen Beziehungen Österreichs mit Russland haben sich in den letzten Jahren dagegen äußerst positiv entwickelt. So sind die österreichischen Exporte in den ersten neun Monaten 2000 um 48 Prozent gegenüber der Vorjahrsperiode auf mehr als 6,3 Mrd. S (458 Mill. Euro) gestiegen. Umgekehrt wuchsen die russischen Ausfuhren nach Österreich um 78 Prozent auf 11,7 Mrd. S.

Wenig Interesse an MiG

Weniger erfolgreich könnte das russische Geschäft mit den neuen MiG-29 Kampfflugzeugen für das Bundesheer verlaufen. Die Finanzierung sollte nach Moskauer Vorstellungen über die Schulden Russlands bei Österreich verrechnet werden. Russland lockt außerdem mit umfangreichen Kompensationsgeschäften. Verteidigungsminister Herbert Scheibner erteilte einem MiG-Ankauf bisher allerdings eine klare Absage.

Daneben soll das Projekt einer Produktionsstätte für russische Zivilflugzeuge in Österreich erörtert werden, für das sich dem Vernehmen nach der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider interessiert haben soll.

Das Besuchsprogramm der russischen Gastes ist dicht gedrängt: Nach einer Kranzniederlegung am Denkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz wird Putin am Freitag in Wien mit Nationalratspräsident Heinz Fischer sowie SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer und Grünen-Chef Alexander Van der Bellen sprechen.

Von Wien nach Tirol

Danach besucht er die Wirtschaftskammer Österreich, ehe er gemeinsam mit Klestil und dessen Gattin Margot nach Innsbruck fliegen wird. Von hier wird sich Putin, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Ludmilla nach Österreich kommt, nach St. Christoph am Arlberg begeben, wo er mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zusammentreffen wird. Österreichische Sicherheitsspezialisten und Techniker haben bereits umfassende Vorkehrungen für die Sicherheit des Gastes getroffen. Gemeinsam mit Klestil und seiner Frau will das Ehepaar Putin am Samstag das Finale des Herren-Slaloms und danach die Abschlussveranstaltung der Alpinen Ski-WM bbesuchen. Danach bleibt Putin mit seiner Familie noch einen Tag zum privaten Skifahren am Arlberg. Der Rückflug nach Moskau ist für Sonntagabend geplant.