Vor der Wahl eines neuen Parlaments an diesem Dienstag hat Israel seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Rund 18.000 Einsatzkräfte seien am Wahltag im Einsatz, um landesweit die Sicherheit der 6,8 Millionen Wahlberechtigten zu gewährleisten, teilte eine Sprecherin der Polizei am Montag mit. Es ist bereits die fünfte Wahl in rund dreieinhalb Jahren.

Der ehemalige Ministerpräsident und aktuelle Oppositionsführer Benjamin Netanjahu - auch "Bibi" genannt - hofft auf ein Comeback. Nach jüngsten Umfragen könnte seine Partei, der Likud, erneut stärkste Kraft im israelischen Parlament (Knesset) werden. Unklar ist aber, ob das rechte Pro-Bibi-Lager eine Mehrheit bilden kann. Der aus vier Parteien bestehende Netanjahu-Block könne mit 60 von 120 Parlamentssitzen rechnen, wie aus zwei vor wenigen Tagen von israelischen Medien veröffentlichten Prognosen hervorgeht.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums steht der sogenannte Anti-Netanjahu-Block, der laut Umfragen mit 56 Mandaten rechnen kann. Der dritten Kraft, der arabisch geführten Hadash-Ta'al-Liste, werden vier Abgeordnete zugesprochen. Diese wird nach eigenen Angaben jedoch keine der beiden Allianzen unterstützen.

Wenn die beiden großen Bündnisse in dem Neun-Millionen-Einwohner-Land eine absolute Mehrheit verfehlen, rechnen Beobachter mit einer monatelangen politischen Blockade und einer weiteren Neuwahl - das wäre die sechste innerhalb von fünf Jahren. Ministerpräsident Jair Lapid würde dann als Verwalter im Amt bleiben.

Kommt ultrarechte Regierung?

Als entscheidend gilt die Wahlbeteiligung der arabischen Bevölkerung. Diese macht etwa 20 Prozent der Bürger Israels aus. Falls eine der kleineren Parteien im Lapid-Lager nicht die 3,25-Prozent-Hürde knacken sollte, könnte dies den Weg zu einer ultrarechten Regierung unter Netanjahu ebnen. Das rechtsextreme Bündnis von Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir gilt als möglicher Königsmacher. Umfragen sehen ihre Religiös-Zionistische Partei als drittstärkste Kraft im Land.

Der Wahlkampf hat sich bislang hauptsächlich um Netanjahu und dessen Gerichtsverfahren gedreht. Der 73-jährige Politiker bezeichnet dieses als politische Hexenjagd, um ihn aus dem Amt zu drängen. Ihm werden Bestechung, Betrug und Untreue vorgeworfen. Seine Gegner befürchten, dass der von 2009 bis 2021 amtierende Ministerpräsident nach einem Sieg das israelische Rechtssystem aushöhlen könnte, um eine Verurteilung zu verhindern.

Im Juni hatte die bisherige Acht-Parteien-Koalition unter dem damaligen Ministerpräsidenten Naftali Bennett nach nur zwölf Monaten ihre Mehrheit verloren. Der damalige Außenminister Lapid übernahm vorübergehend den Posten des Regierungschefs. Bennett tritt bei der kommenden Wahl nicht mehr an.

Mit dem Endergebnis des Urnengangs wird nicht vor Donnerstag gerechnet. Frühere Voten hatten gezeigt, dass sich das Ergebnis nach den ersten Prognosen am Wahlabend bis dahin noch verändern kann. (dpa/reu)