Erstmals ist unweit südkoreanischer Hoheitsgewässer nach Angaben aus Seoul eine nordkoreanische Rakete im Meer eingeschlagen. Das Geschoss überquerte die faktische Seegrenze zwischen den beiden Nachbarn und ging 57 Kilometer vor der Stadt Sokcho nieder, wie das südkoreanische Militär mitteilte. Insgesamt habe Nordkorea mindestens 17 Raketen am Mittwoch abgefeuert, so viele wie noch nie an einem einzigen Tag. Außerdem seien mehr als 100 Artilleriesalven abgegeben worden.

Südkoreanische Kampfjets schossen nach Militärangaben im Gegenzug drei Luft-Boden-Raketen über die umstrittene Seegrenze in Richtung Meer. Auf der südkoreanischen Insel Ulleung im Japanischen Meer wurde Luftalarm ausgelöst, was relativ selten vorkommt.

"Territorialer Übergriff"

Ungeachtet internationaler Sanktionen hat Nordkorea in den vergangenen Monaten einen ganze Serie von Raketentests abgehalten. Zudem hat das Land nach Angaben der südkoreanischen und der US-Regierung technische Vorbereitungen für einen ersten Atomtest seit 2017 abgeschlossen. Nordkorea hat die Raketentests als Reaktion auf gemeinsame Militärübungen Südkoreas und der USA in der Region bezeichnet. Es sieht in den Manövern den Beleg für eine feindselige Haltung gegenüber Pjöngjang. Erst am Montag hatten die beiden verbündeten Staaten eines ihrer größten gemeinsamen Luftwaffen-Manöver gestartet. Solch eine "militärische Unbesonnenheit und Provokation" könne nicht länger toleriert werden, hieß es am Mittwoch in Pjöngjang. Wenige Stunden später erfolgte die erneuten Raketenstarts.

Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol bezeichnete den Einschlag des einen Geschosses jenseits des umstrittenen Seegrenze als faktisch einen "territorialen Übergriff". Eine solche Provokation könne niemals hingenommen werden, erklärte das südkoreanische Militär. Man prüfe noch, ob die Flugrichtung beabsichtigt gewesen oder ob eine der Raketen vom Kurs abgekommen sei. Südkoreas wichtigster Verbündeter, die USA, verurteilte den Abschuss einer Rakete über die faktische Seegrenze hinweg als rücksichtslos. Dadurch würden der Frieden und die Stabilität in der Region gefährdet.

Rekordzahl an Raketentests

Nordkorea hat in diesem Jahr eine Rekordzahl an Raketentests vorgenommen. Die Regierung in Pjöngjang erklärte, dass es sich bei den derzeit stattfindenden gemeinsamen militärischen Flugübungen der USA und Südkoreas um Vorbereitungen für eine mögliche Invasion handle. An dem Manöver sind Hunderte Kampfflugzeuge beider Staaten beteiligt. Pjöngjang warnte, dass beide Länder teuer bezahlen würden, falls sie den Norden angreifen sollten.

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen. Diese können je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen. Seit Ende September hat Nordkorea in ungewohnt hoher Frequenz Raketentests durchgeführt, zuletzt am vergangenen Freitag.

Südkorea: Nordkorea feuert sechs weitere Raketen ab

Utl.: Auch Japan bestätigt Angaben =

Seoul/Tokio (APA/Reuters) - Nordkorea hat nach südkoreanischen Angaben am Mittwoch sechs weitere Raketen abgefeuert. Sie seien von der nordkoreanischen Ost- beziehungsweise Westküste gestartet worden, teilte das Militär am Mittwoch in Seoul mit. Zuvor hatte Nordkorea bereits 17 Raketen abgefeuert.

Auch die japanische Küstenwache teilte mit, es sei mindestens eine weitere nordkoreanische Rakete abgefeuert worden. Es handle sich wahrscheinlich um eine ballistische Kurzstreckenrakete, die Richtung Osten und in einer Höhe von weniger als 50 Kilometern geflogen sei. (apa, dpa, reuters)