Am Stadtrand von Jerusalem sind bei zwei mutmaßlichen Anschlägen an Bushaltestellen mitten im morgendlichen Berufsverkehr ein Mensch getötet und mindestens 14 verletzt worden. Die Polizei erklärte am Mittwoch, es handele sich vermutlich um Angriffe militanter Palästinenser. Die erste Detonation gehe auf einen Sprengsatz zurück, der an einer Bushaltestelle in der Nähe der Ausfahrt aus der Stadt platziert worden sei. Der zweite Sprengsatz sei nur etwa eine halbe Stunde später an einer Bushaltestelle in einem Wohnviertel im Osten Jerusalems explodiert. Bekannt hat sich dazu zunächst niemand.

Nach der Detonation des ersten Sprengsatzes seien zwölf Menschen ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte der Rettungsdienst mit. Mindestens zwei von ihnen seien schwer verletzt. Bei der zweiten Explosion wurden nach Polizeiangaben mindestens drei Menschen verletzt. Eine Person sei im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, teilte das Schaare Sedek Medizinzentrum mit.

Sprengstoff in Taschen versteckt

Polizeisprecher Eli Levi sagte dem Armee-Hörfunk, die erste Explosion an einer Bushaltestelle voller Menschen sei von einem großen Sprengsatz ausgelöst worden. "Solche koordinierten Angriffe hat es in Jerusalem seit Jahren nicht mehr gegeben." Dem Sender zufolge war der Sprengstoff in Taschen versteckt, in mindestens einem Fall habe er auch Nägel enthalten, um die Wirkung zu verstärken.

Die Detonationen an Bushaltestellen erinnern an das Vorgehen militanter Palästinenser während des Aufstandes zwischen 2000 und 2005. Die Explosionen vom Dienstag folgen auf monatelange Spannungen im von Israel besetzten palästinensischen Westjordanland, wo das israelische Militär nach einer Reihe von Attentaten massiv gegen Palästinenser vorgegangen ist.

Die radikal-islamischen Hamas, die im palästinensischen Gazastreifen an der Macht ist, begrüßte die Anschläge, bekannte sich aber nicht dazu. Ihr Sprecher Abdel-Latif al-Kanua sagte, die Bombenanschläge seien "das Ergebnis der Verbrechen der Besatzung und der Siedler". Jüdische Siedlungen in den besetzten Gebieten im Westjordanland und in Ost-Jerusalem werden von den Vereinten Nationen nicht anerkannt und als Verstoß gegen das Völkerrecht eingestuft.

Die beiden Detonationen ereigneten sich just zu dem Zeitpunkt, da Benjamin Netanjahu nach der Parlamentswahl Anfang November sich bemüht, eine Koalition aus rechten, religiösen und rechts-extremen Parteien zu bilden. Der ultra-nationalistische Knesset-Abgeordnete Itamar Ben-Gwir, der der Partei Jüdische Macht vorsitzt, besuchte den ersten Tatort. "Auch wenn es im Westjordanland ist, belagert sie und geht auf der Suche nach Waffen von Haus zu Haus und stellt unsere Abschreckungsmacht wieder her", sagte Ben-Gwir. Er will in der neuen Regierung Polizeiminister werden. (reuters)