Seit Beginn der Offensive der Türkei gegen Kurden-Milizen im Irak und in Syrien sind nach türkischen Angaben hunderte Kämpfer getötet worden. 326 "Terroristen" wurden "neutralisiert", sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Freitag laut der staatlichen Presseagentur Anadolu Ajansi. Die Operation werde mit Luftschlägen und landgestützten Geschützen fortgesetzt. Die USA wollen einem Bericht zufolge eine Bodenoffensive mit einem Angebot an Ankara verhindern.

Bei den Angriffen kämen keine Zivilisten oder verbündete Streitkräfte zu Schaden, sagte Akar, der die Angriffe als "Vergeltungsschläge" bezeichnete. Die türkische Armee ziele nur auf Terroristen. "Wo auch immer die Terroristen sind, das ist unser Ziel." Die Angaben zu den Angriffen und die Opferzahl ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Ankara macht die YPG und die PKK für einen Anschlag auf der Istanbuler Einkaufsstraße Istiklal vor fast zwei Wochen verantwortlich. Beide Gruppen hatten dies jedoch zurückgewiesen.

Die USA haben laut einem Medienbericht der Türkei ein Angebot gemacht, um eine türkische Bodenoffensive in Nordsyrien und dem Nordirak zu verhindern. Der US-Gesandte Jeffry L. Flake habe bei einem Treffen mit Akar am Donnerstag angeboten, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) 30 Kilometer von der türkischen Grenze zurückzuziehen, hieß es am Freitag in der Online-Ausgabe der Tageszeitung "Hürriyet Daily" ohne Nennung einer Quelle.

Die englischsprachige Tageszeitung "Daily Sabah" (Online-Ausgabe) hatte am Donnerstag über das Gespräch in Ankara berichtet, dass das Ministerium keine Informationen herausgegeben habe und die Presse nicht zugelassen gewesen sei. Seit Sonntag geht die Türkei im Nordirak und in Nordsyrien mit Luftangriffen gegen die YPG und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor, die die Türkei als Terrororganisationen bekämpft.

Kurdenmiliz in schwieriger Lage

Laut dem "Hürriyet"-Journalisten Abdülkadir Selvi ist die Kurdenmiliz in einer schwierigen Situation, da Versorgungswege, Ölanlagen, Hauptquartiere und Ausbildungszentren während der seit Sonntag durchgeführten Luftangriffe zerstört wurden. Er sieht das Gespräch Akars mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu als Zeichen für eine bevorstehende Bodenoffensive.

Angesichts der drohenden Operation richte die YPG Hilferufe an die USA, wird Selvi von "Hürriyet Daily" zitiert. Äußerungen der USA, wie "Wir verstehen die Sicherheitsbedenken der Türkei" hätten die YPG enttäuscht. Dem Online-Medium "Al-Monitor" (Mittwochsausgabe) zufolge wandte sich Ilham Ahmed vom Syrischen Demokratischen Rat (SDC), dem politischen Arm der von den YPG geleiteten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), zu Wochenbeginn in einem Schreiben an US-Außenminister Antony Blinken und drängte Washington, gegen eine mögliche türkische Invasion zu intervenieren.

Die USA sehen die YPG als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien, deren Zellen im Land noch immer aktiv sind. Dies verursacht Spannungen mit Ankara. Die Türkei führt die Luftschläge bisher trotz verhaltener Warnungen der USA durch. Washington sieht das Ziel, den "Islamischen Staat" zu bekämpfen, dadurch als bedroht an, sowie Zivilisten und in der Region stationierte US-Soldaten als gefährdet, wie am Mittwochabend (Ortszeit) verlautete. (dpa)