Washington. Zum bisher letzten Mal geschah es zu Zeiten Barack Obamas, dass sich dutzende afrikanische Staats- und Regierungschefs zu einem Gipfel in Washington einfanden. 2014 initiierte der damalige US-Präsident erstmals ein Zusammentreffen von rund 50 Delegationen afrikanischer Länder. Nun lud US-Präsident Joe Biden neuerlich zu einem dreitägigen USA-Afrika-Gipfel, der am Dienstag seinen Anfang nahm. Bis Donnerstag soll es Gespräche über Wirtschafts-, Gesundheits- und Klimapolitik geben.

Wie aus dem Weißen Haus verlautbart, soll es dabei vor allem um die Anliegen Afrikas gehen und nicht um den Konkurrenzkampf mit den Großmächten und Systemgegnern China und Russland um die Gunst des Kontinents. "Das Gipfeltreffen beruht auf der Erkenntnis, dass Afrika ein wichtiger geopolitischer Akteur ist. Der Kontinent wird die Zukunft nicht nur des afrikanischen Volkes, sondern auch der Welt gestalten", sagte der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, Jake Sullivan beim Gipfel. Ziel des Treffens sei es, die Stimmen und Prioritäten Afrikas hervorzuheben und die Partnerschaft zwischen den USA und dem afrikanischen Kontinent zu stärken.

Was die wirtschaftliche Kooperation mit Afrika angeht, haben die Vereinigten Staaten ordentlich Aufholbedarf. Nach einem Rekordhoch an Direktinvestitionen im Jahr des ersten Afrika-Gipfels 2014 sanken die jährlichen Auslandsinvestitionen während der letzten Amtsjahre Obamas und der Regentschaft Donald Trumps stetig und erlebten erst mit Biden eine vorsichtige Trendumkehr.

Auch der Handel zwischen den USA und den afrikanischen Ländern ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Ganz im Gegensatz zum Handelsvolumen zwischen China und Afrika, das mittlerweile etwa vier Mal so groß ist. China investierte in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 300 Milliarden Euro in afrikanische Länder. Der Löwenanteil der Direktinvestitionen an Subsahara-Staaten floss dabei nach Nigeria, Äthiopien und Angola, etwa in Staudammprojekte oder Straßen- und Bahninfrastruktur.

Russland wiederum ist nicht nur Afrikas größter Waffenlieferant, sondern versucht, seine Einflusssphäre in Afrika auch mittels paramilitärischer Gruppierungen wie der berüchtigten Wagner Söldner-Truppe auszuweiten.

Gespräche über Demokratie, gegenseitigen Respekt und gemeinsame Werte seien also schlicht nicht ausreichend, um das Band zwischen den USA und Afrika zu stärken, schreibt die "New York Times". Denn von Treffen mit autoritären Ländern wie China, Russland oder der Türkei kämen afrikanische Regierungschefs zumeist mit politisch und wirtschaftlich Zählbarem nach Hause, sei es in Form von Investitionen in die Infrastruktur oder militärischer Unterstützung.

Milliarden auf dem Weg

Immerhin hatte Präsident Biden - dessen große Rede am Mittwoch erwartet wird - schon zuvor angekündigt, die Aufnahme der Afrikanischen Union (AU) in die G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer zu unterstützen. Weiters soll eine Reform des UNO-Sicherheitsrates angestrebt werden, welche die Aufnahme eines ständigen afrikanischen Mitglieds vorsehe.

Auch finanziell will Washington Afrika in Zukunft stärker unter die Arme greifen. In den kommenden drei Jahren sollen 52,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, um bei der Bewältigung zentraler Herausforderungen zu helfen.

Ob die Zusagen die afrikanischen Vertreter zufriedenstellen können, bleibt abzuwarten. Angesichts der milliardenschweren und wesentlich von den USA mitgetragenen Hilfsleistungen für die Ukraine seien afrikanische Staaten enttäuscht von der mangelnden Unterstützung der USA für dort schwelende Konflikten und Krisen, meinte Mvemba Dizolele von der Johns Hopkins Universität gegenüber der "Washington Post".(jm/dpa/apa)