Kanada widerruft eine zeitliche begrenzte Sanktionsausnahme für Siemens Energy-Turbinen der russischen Gaspipeline Nord Stream 1. "Kanada trifft diese Entscheidung in der Erkenntnis, dass sich die Umstände für die Gewährung der Ausnahmeregelung geändert haben und sie nicht mehr dem beabsichtigten Zweck dient", teilten Außenministerin Melanie Joly und der Minister für natürliche Ressourcen, Jonathan Wilkinson, in einer gemeinsamen Erklärung am Mittwoch mit.

Die Entscheidung sei in enger Zusammenarbeit mit der Ukraine, Deutschland und anderen europäischen Verbündeten getroffen worden.

Die unter der Ostsee verlaufende Pipeline wurde am 31. August für Reparaturen abgeschaltet, aber anschließend nicht wieder in Betrieb genommen. Im September wurde sowohl Nord Stream 1 als auch die Schwestern-Pipeline Nord Stream 2 durch Explosionen beschädigt. Nach Ansicht europäischer Regierungen waren die Lecks auf Sabotage zurückzuführen. Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete westliche Behauptungen, Russland stecke hinter den Explosionen, als "verrückt" und gab dem Westen die Schuld. "Putin war gezwungen zu zeigen, dass es nie seine Absicht war, Nord Stream 1 wieder in Betrieb zu nehmen, und dass die Pipeline selbst nicht mehr funktionsfähig ist", hieß es in der Erklärung der Minister weiter.

Kanada hatte wegen der Sanktionen gegen Russland einen direkten Rücktransport der Turbine abgelehnt, aber eine Lieferung nach Deutschland zur anschließenden Weitergabe nach Russland akzeptiert. Russland hatte zuvor seine Gaslieferungen nach Deutschland durch die Pipeline Nord Stream 1 gedrosselt und dies mit der fehlenden Turbine begründet, die in Kanada von Siemens Energy gewartet wurde. (apa)