Es waren Bilder, die nicht zuletzt auf ihren Werbeeffekt setzten. Als die Corona-Pandemie Italien mit voller Wucht traf, schickte China Schutzausrüstung wie Masken und Anzüge. Ein knappes Jahr später, Anfang 2021, landeten Maschinen mit chinesischem Impfstoff auf europäischen Flughäfen. So stellten Ungarn und Serbien neben den in der EU zugelassenen Vakzinen auch Sinovac zur Verfügung.

Peking war stolz darauf, den Europäern Unterstützung anzubieten - und ebenso auf seine "Null Covid"-Strategie, deren Ergebnis zumindest am Anfang weit weniger Todesfälle in Relation zur Bevölkerung waren als in Europa oder in den USA. Der Preis waren strenge Quarantäne- und Testregeln bis hin zur rigiden Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Die Abkehr von dieser Politik begann vor einigen Wochen, nach landesweiten Protesten und einem Einbruch des Außenhandels. Und nun wächst die Sorge vor einer gigantischen Corona-Welle mit hunderten Millionen Infizierten in der Volksrepublik - sowie hunderttausenden Toten.

Das Land mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern ist darauf schlecht vorbereitet. Den unterfinanzierten Krankenhäusern fehlen die Kapazitäten, um eine große Zahl von Patienten aufzunehmen. Außerdem sind Millionen ältere Menschen noch immer nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Sorge um Lieferketten

Nun ist es der Westen, der Hilfe anbietet - und das nicht ohne Eigeninteresse. Haben die strikten Lockdowns in China schon in den vergangenen zwei Jahren wichtige globale Lieferketten unterbrochen, besteht jetzt die Gefahr, dass die Produktion in der Volksrepublik erneut beeinträchtigt wird. Die Weltbank senkte bereits ihre Wachstumserwartungen für China wegen "erheblicher Risiken" stark ab - mit Blick auf die Pandemie und eine Immobilienkrise im Land. Das Institut geht nun von nur noch 2,7 Prozent Wirtschaftswachstum im laufenden und 4,3 Prozent im kommenden Jahr aus.

Doch gibt es auch weitere Befürchtungen: dass neue Virus-Varianten verstärkt in andere Länder getragen werden.

Daher drängt sich Regierungen in Europa und in den USA die Frage auf, welche Unterstützung möglich ist - falls diese angenommen wird. Nicht ohne Grund war Biontech-Chef Ugur Sahin Teil der hochrangig besetzten Wirtschaftsdelegation, als der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz im Vormonat nach Peking gereist war. Das Mainzer Unternehmen hätte mit seinen Produktionskapazitäten die Möglichkeit, auch die Volksrepublik mit modernem Impfstoff zu beliefern - wartet aber immer noch auf die Zulassung in China. Peking will diese erst erteilen, wenn die europäische Zulassungsbehörde EMA auch Sinovac in Europa genehmigt.

Impfnationalismus und Stolz

Auch die USA wären zu Diensten. "Wir haben deutlich gemacht, dass wir bereit sind, auf jede Weise zu helfen, die sie - die Chinesen - für akzeptabel halten", befand der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby. Auch hier gibt es Möglichkeiten im medizinischen Bereich: So könnte neben dem Vakzin von Biontech das antivirale Covid-Mittel Paxlovid zum Einsatz kommen. Der US-Arzneimittelhersteller Pfizer hat vergangene Woche eine Vereinbarung getroffen, sein Medikament über ein lokales Unternehmen nach China zu exportieren.

Bei den Avancen ist allerdings Vorsicht geboten - hat doch die Führung in Peking rund um Präsident Xi Jinping immer wieder darauf verwiesen, wie wirkungsvoll die chinesische Anti-Covid-Strategie und das eigene Vakzin seien. "Chinas Impfnationalismus ist eng mit Xis Stolz verbunden. Und die Annahme westlicher Hilfe würde Xi nicht nur in Verlegenheit bringen, sondern auch sein oft propagiertes Bild von der Überlegenheit des chinesischen Regierungsmodells durchkreuzen", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Craig Singleton, den stellvertretenden Direktor des China-Programms bei der Foundation for Defense of Democracies. Peking erklärt deshalb, dass es die Epidemie dank "institutioneller Vorteile" ohne ausländische Unterstützung bewältigen könne.

Besonders schwer dürfte China fallen, Hilfe aus den USA anzunehmen, angesichts der verstärkten Rivalität der beiden Länder. Andererseits sind die beiden weltgrößten Volkswirtschaften eng miteinander verbunden: China ist der wichtigste Handelspartner der USA. (reuters/afp/czar)