Und sie liefern doch. Nach einem monatelangen Gezerre kann die Ukraine nun auf rund 40 Schützenpanzer vom Typ Marder aus deutschen Beständen zählen. Sie sollten voraussichtlich bis Ende März geliefert werden. Der rund 40 Tonnen schwere Schützenpanzer Marder stammt aus den 1960er Jahren, er wird jedoch bis heute von der Bundeswehr genutzt.

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz hält sich dabei an seine Vorgabe, derartige Waffenlieferungen nur im Einklang mit Verbündeten zu vollziehen. Denn auch Frankreich wird Spähpanzer vom Typ AMX-10 RC liefern, die USA kündigten die Lieferung von Bradley-Schützenpanzern an.

Der Westen setzt damit ein deutliches Zeichen, dass er weiter gewillt ist, die Ukraine in diesem Krieg zu unterstützen. So spektakulär sich diese Lieferung aber auch anhört - am Schlachtfeld wird sie laut Militärexperten wohl gar nicht so viel Auswirkungen haben. Eine neue Angriffswelle lässt sich nämlich mit diesen Panzern kaum starten. Vielmehr wird damit gerechnet, dass sie die Ukraine vor allem für den Transport von Soldaten verwenden wird, die so viel besser geschützt ihren Einsatzort an der Front wechseln können. Bisher hat die ukrainische Armee ihre Soldaten teilweise mit Jeeps verlegt.

Und viele Waffen, die die Ukraine gerne hätte, bekommt sie gar nicht geliefert. So sperrt sich etwa die deutsche Regierung weiterhin gegen eine Lieferung modernerer Kampfpanzer vom Typ Leopard 2.

Ein weiteres Thema ist die Luftabwehr: Zwar soll die Ukraine in den nächsten Wochen aus den USA das Patriot-Abwehrsystem erhalten - nachdem ihre Streitkräfte darin in Deutschland eingeschult wurden. Doch hätte sich das angegriffene Land schon viel früher viel mehr Gerät zur Luftabwehr gewünscht - vor allem da absehbar war, dass es Teil der russischen Kriegsführung sein würde, die Zivilbevölkerung mit Angriffen auf die Infrastruktur zu zermürben und zu terrorisieren.

Blutige Patt-Situation

Es ist dies seit Anfang des Krieges ein schwieriger Balanceakt für die westlichen Regierungen, inwieweit sie die Ukraine mit Waffen beliefern wollen, da die Atommacht Russland dies mit einem Kriegseintritt der Nato gleichsetzt. Im Moment sieht es danach aus, dass die Ukraine genug Waffen erhält, um den Krieg nicht zu verlieren - aber auch nicht genug, um ihn zu gewinnen. An den Frontabschnitten gibt es derzeit großteils blutige Patt-Situationen.

Zwar beteuert der Westen, dass er die Ukraine nun noch stärker militärisch unterstützen will. Gleichzeitig häufen sich die Berichte, dass hinter den Kulissen an einem Plan B gebastelt wird. So berichtete nun "Die Welt" unter Berufung auf anonym gebliebene Diplomaten, dass immer mehr über einen Waffenstillstand nachgedacht wird. Das Blatt zitiert dabei einen Nato-Militär, der meint, dass man "die Durchhaltefähigkeit Russlands nach den Erfolgen der Ukraine im Sommer unterschätzt" habe.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte für das orthodoxe Weihnachtsfest am Freitag und Samstag eine einseitige Waffenruhe verkündet - wobei es aber schon in den ersten Stunden zu Gefechten kann. Für die Ukraine war dies ohnehin von Anfang an nur eine "Propaganda-Geste", mit der der Kreml demnach vor allem seine Kräfte sammeln wollte. Überhaupt müsste die Ukraine auch bei einem größer angelegten Waffenstillstand fürchten, dass Russland diesen vor allem nutzt, um aufzurüsten und erneut anzugreifen. (klh/reuters)