Bereits zum 53. Mal findet heuer das World Economic Forum (WEF) in Davos statt. Damit wird die höchstgelegene Stadt der Alpen kurzzeitig zum Brennpunkt der Weltöffentlichkeit, aber auch zum Ausnahmezustand für die lokale Bevölkerung. Das örtliche Gymnasium zeigt sich davon weitgehend unbeeindruckt.

Die Einfluss-Reichen und Mächtigen dieser Welt geben sich hier für ein paar Tage die Ehre. Davos wird zur Hintergrundfolie für eine Bühne, auf der die großen Fragen der Gegenwart und der Zukunft diskutiert werden. Das ist begrüßenswert, denn internationale Treffen mit dem Potenzial einer Verbesserung der globalen Verhältnisse sind rar geworden. Davos liefert jedoch gleichzeitig auch die Fassade für eine Parallelwelt, zu der "normale" Menschen kaum Zugang haben, denn das WEF ist im besten Fall ein halböffentliches Forum. Wichtige Gespräche finden hinter verschlossenen Türen oder in dunklen Limousinen statt, die sich wie Karawanen im Schritttempo durch den Skiort quälen.

Die Wichtigen bleiben unsichtbar, die Unwichtigen schauen zu. Davos steckt die Zusatzanstrengungen für das WEF scheinbar problemlos und routinemäßig weg. Dem ist aber nicht so, denn die Umstellungen für Ortsansässige sind schon enorm. Und sie nehmen das nicht nur auf sich, weil sie damit Geld verdienen. Wichtiger als der monetäre Aspekt ist, dass Davos dank seiner idealen Lage (mitten in Europa, hermetisch abriegelbar, in einer zauberhaften Berglandschaft gelegen) eine echte Gesprächsplattform bieten kann und das WEF zum internationalen Renommee des Ortes beigetragen hat. Das fördert auch den Tourismus. Davos ist zur Marke geworden. Auf unsere Schule hat das WEF dagegen kaum einen Einfluss. Die SAMD (Schweizerische Alpine Mittelschule Davos) ändert ihr Programm nicht.

Wir bieten ausländischen Gästen die Möglichkeit für Diskussionen in unseren Räumlichkeiten und den Schülerinnen und Schülern die Chance, öffentliche Anlässe im Rahmen des WEFs zu besuchen. Auch wird das WEF im Unterricht da und dort zum Thema. Ansonsten ändert sich für uns alle außer der Dauer des Schulwegs nichts.

Thomas Seifert von der Wiener Zeitung hat uns gebeten, ein paar Eindrücke von Schülerinnen und Schülern der SAMD einzufangen. Das haben wir gerne getan. Nachfolgend finden sich einige Beiträge, in denen sie ihre Sicht auf das WEF darstellen.

Oliver Suter und Beat Held, Lehrer an der SAMD

Schülerinnen und Schüler der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos teilen in der "Wiener Zeitung" ihre Gedanken zum Weltwirtschaftsforum. 
- © Thomas Seifert

Schülerinnen und Schüler der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos teilen in der "Wiener Zeitung" ihre Gedanken zum Weltwirtschaftsforum.

- © Thomas Seifert

Für mich bedeutet WEF: Ausnahmezustand.

Das World Economic Forum oder einfach WEF findet in Davos statt, seit ich denken kann. Berühmte Leute, wichtige Leute und vor allem reiche Leute…Aus aller Welt wird es eifrig über die Medien verfolgt, aber wie wird es vor Ort von Einheimischen wahrgenommen? Genau darüber möchte ich heute aus meiner Perspektive berichten. Ich bin Katja und lebe in einem im Moment verschneiten Ort hoch in den Bergen. Der Ort, der meiner Meinung nach zu klein für eine Stadt, aber zu groß für ein Dorf ist, heißt Davos. Klingt bis jetzt idyllisch, finden Sie nicht auch? Nun, der Schein kann wie so oft trügen. Meistens ist es in dem Ort, den ich mein Zuhause nenne, idyllisch, besonders außerhalb in der Natur. Im Sommer sind es unsere wunderschöne Landschaft, die Wanderwege, das Biken und unser See und im Winter das Glitzern des Schnees und die Pisten, welche die Touristen in Scharen anziehen. Weiter sind wir bekannt für unsere Forschungsinstitute, wie etwa die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO), und als Kurort. Auch der Hockey Club Davos (HCD) hat seine Bekanntheit. Und dann wäre da noch das WEF. Die meisten in meinem Alter, mit welchen ich bisher außerhalb von Davos Bekanntschaft gemacht habe, kennen Davos wegen der Skigebiete oder des Hockey Club Davos. Der Forschungsaspekt und das WEF haben eher bei den Erwachsenen einen Wiedererkennungswert. Aber auch dort gibt es viele, die nicht wissen, was das WEF ist. Ich weiß es. Aber wenn ich wirklich darüber nachdenke, dann weiß ich es doch nicht so genau. Für mich bedeutet WEF: Ausnahmezustand. In der Grundschule konnten wir nicht in den Sportunterricht, weil die Halle als Krankenstation benutzt wurde, überall um die Schule stand das Militär. Bewaffnet. Ebenfalls war da immer dieser endlose Stau, eine leere Limousine nach der anderen. Überall bewaffnete Leute und immer dieser Lärm der Helikopter, welche in der Nähe unseres Hauses landen. Später fuhren die Busse nur noch bis zum Bahnhof und es wurde extra eine Zugstation mehr eingefügt. Wir durften über Mittag nicht nach Hause, hatten extra Stundenpläne usw. An das Jahr 2019 kann ich mich noch besonders gut erinnern. Während der Vorbereitungen für das WEF, welche immer schon Monate davor beginnen und uns auf das Bevorstehende aufmerksam machen, am 15. Januar, löste sich oberhalb des Davoser Sees eine Lawine. In dieser Zeit hatten wir sogar schulfrei. Zu all den vorher erwähnten Punkten kommt meistens noch der heftige Schneefall, genau passend zu dieser Zeit, dazu. Man könnte fast sagen, dass erst der Schnee das ganze Chaos in Davos während des WEFs so richtig perfekt macht. Ich kann mich ebenfalls gut daran erinnern, wie wir, nur wenig außerhalb des Dorfs wohnend, zum Teil regelrecht abgeschnitten von Davos selbst waren. Die Autos stauten sich extrem, andere Wege waren vom Militär gesperrt und ein weiter Weg wegen Lawinen-Gefahr geschlossen. Für Davos und die Umwelt ist dieser ganze Anlass derart belastend, dass ich mich immer fragen werde, weshalb dieses Aufgebot für die (anwesende) Elite in dieser idyllischen kleinen Alpenstadt. Am Ende sind wir doch alle gleichwertige Menschen. Aber gerade so nehme ich als Jugendliche, welche in Davos aufgewachsen ist, das WEF nicht wahr. Was hinter den Türen passiert, weiß ich nicht so genau, natürlich weiß ich ungefähr, welche Themen diskutiert werden, und ab und zu bekommt man auch mit, wer sich anscheinend in Davos aufhalten soll. Aber die genauen Abläufe kennt wohl niemand in meinem Alter hier so genau, was ich wirklich sehr schade finde, weil dieser Anlass doch etwas Wichtiges darstellt und es im Grunde genommen uns alle mehr oder weniger betrifft, was auf der Welt geschieht.

Katja Sutterlüty, G5a

Die Meinungen der Schülerinnen und Schüler der Schweizerischen Alpinen Mittelschule zum World Economic Forum (WEF), das alle Jahre in ihrer Stadt stattfindet, sind durchaus geteilt. 
- © Thomas Seifert

Die Meinungen der Schülerinnen und Schüler der Schweizerischen Alpinen Mittelschule zum World Economic Forum (WEF), das alle Jahre in ihrer Stadt stattfindet, sind durchaus geteilt.

- © Thomas Seifert

Davos ist anders während des WEF

Davos ist weltweit bekannt für das jährliche WEF. Während des Forums ändert sich vieles in Davos. Einer der Nachteile ist, dass durch die vermehrte Anzahl von Fahrzeugen Verkehrsprobleme entstehen. Die Bauarbeiten vor dieser Woche führen zu Verspätungen und Schwierigkeiten für die Bevölkerung. Je mehr Menschen nach Davos fahren, desto mehr Umweltverschmutzung gibt es. Ein Aspekt, der kaum Beachtung findet: das WEF als lokale CO2-Belaster. Andererseits kann das WEF auch nützlich für die Wirtschaft sein. Die meisten Besucherinnen und Besucher des Forums übernachten in Davos, wovon das lokale Gewerbe profitiert. Außerdem sorgt das WEF für internationale Bekanntheit, weshalb mehr Touristen die Alpenstadt besuchen. Durch das WEF wurde und wird Davos zwar populärer, aber nicht unbedingt ein attraktiverer Wintersport-Hotspot. Zu den Nachteilen gehört zudem, dass die Gemeinde Davos einen hohen Betrag für die Sicherheitskosten ausgeben muss. Das tägliche Leben der Davoserinnen und Davoser wird in Zeit während des WEF zwar interessanter, aber auch anstrengender. Im Allgemeinen würde ich behaupten, dass das WEF gleich viele positive wie negative Aspekte aufweist.

Nilavily Villavarayasingam, G2b

WEF in Davos? Anstrengend!

Für uns persönlich ist die WEF-Woche eine eher anstrengende Woche. Für den sonst einfachen Schulweg wird in diesen Tagen viel mehr Zeit benötigt und man muss sich neue Verbindungen suchen, um überhaupt rechtzeitig zur Schule zu kommen. Auch sehr ungewohnt ist die enorme Menge an Menschen. Wir verfolgen das Forum nicht, aber haben auch nicht wirklich Interesse daran. Auch die Gäste erregen nicht wirklich Interesse, da man die richtig wichtigen nie sieht und die, die man auf der Straße trifft, nicht sehr freundlich und rücksichtsvoll sind. Im Grossen und Ganzen ist das WEF für uns nicht interessant genug, um die Probleme und Belastungen, die es mit sich bringt, auszugleichen.

Daphna Devriese und Charline Gieche, G2b

"Jeglicher Verkehr wird aufgehalten und kontrolliert"

Da in der nächsten Woche das Weltwirtschaftsforum, welches jährlich Tausende Menschen nach Davos zieht, stattfindet, wurden wir, als junge Menschen, gebeten, in einem Text von unseren Ansichten über das WEF zu berichten.
Mir persönlich gefällt das WEF, da man als Einheimischer einer Kleinstadt hautnahe bei der Weltpolitik dabei sein kann, Delegationen von weit entfernten Ländern zu Gesicht bekommt und man die verschneite Kleinstadt als etwas "moderner" wahrnimmt. Viele Einheimische sind aber eher kritisch gegenüber dem WEF gestimmt. Ein Grund dafür ist der Verkehr – schon einige Wochen vor dem WEF werden Grundgerüste für provisorische Bauten errichtet, sehr viel Material, bspw. Inneneinrichtung für Pavillons nach Davos geschafft, Gebäude verkleidet, wodurch die Verkehrssituation erheblich beeinträchtigt wird. Da kann man mit einer Busfahrt von zehn Minuten Dauer gut eine Stunde verbringen.
Aber, dass das WEF trotzdem wichtig ist, zeigen vor allem Zahlen. Im direkten Zusammenhang mit dem WEF 2017 hielten sich etwa 12.000 Personen in Davos auf. Dadurch wurden in der Schweiz Gesamtumsätze von 94 Millionen Franken ausgelöst.
Ebenfalls konnten durch das Annual Meeting 2017 in der gesamten Schweiz Steuereinnahmen, in Höhe von ungefähr 10 Millionen Franken angenommen werden. Rund 60 Prozent der gesamten Einnahmen gingen an den Bund.
Es ist auch großartig zu sehen, wie die größten Konzerne der Welt ihren Weg nach Davos machen. Plötzlich ist im Kaffee "Klatsch" am Platz das einflussreichste Unternehmen, BlackRock, es verwaltete im Jahr 2020 Gelder im Wert von 8.677 Billionen US-Dollar. In Davos sind aber auch Microsoft und Intel anwesend, sogar der englische Top-Fußballverein, Manchester United, ist in Davos.
Dass das WEF einige Dinge erheblich schwieriger macht, stimmt natürlich. Zur Schule muss ich beispielsweise mit dem Zug, da es keine andere Verbindung zwischen Davos Dorf und Davos Platz gibt. Natürlich herrscht auf den Strassen auch Stau, wodurch es durchaus angenehmer ist, mit dem Zug zur Schule zu gehen. Es ist auch zu empfehlen während des WEFs in Davos zu bleiben, denn man braucht von Klosters gut mal 40 Minuten mit dem Auto wegen der Kontrollen der Polizei unterhalb des Laret.
Das Thema Sicherheit wird in diesen zwei Wochen sehr gross geschrieben: "Jeglicher Verkehr nach Davos wird angehalten und kontrolliert. Den Luftraum sichert das Militär der Schweiz, Österreich und Italien. Rund 5000 Armeeangehörige sind mit allem im Einsatz, was zur Verfügung steht, erklärte der Divisionär und Kommandant der Territorialdivision 3 der Schweizer Armee Lucas Caduff am Freitag vor den Medien in Davos." Dazu kommen noch Sicherheitskräfte wie Polizei und private Sicherheitsdienste.
Dazu gehören auch noch: rund 50 Kilometer Zaun aufbauen, Davos mit Drohen überwachen und eine anwesende Hundestaffel des Militärs. Dieses steht mit 1400 Funkgeräten in ständigem Austausch.
Das Thema Umwelt ist während des Treffens ein paradoxer Gedanke. Es fahren einige Elektroautos durch Davos, jedoch stehen am größten Parkplatz von Davos Generatoren, welche mit Diesel betrieben werden. Zudem ist es nicht gerade förderlich für die Umwelt, eine wichtige Person mit drei Flugzeugen nach Zürich zu fliegen und von dort mit sieben Helikoptern weiter nach Davos weiter zu fliegen.
Während diese Personen nach Davos geflogen werden, diskutieren sie aber gleichzeitig, wie man den Klimawandel stoppen kann. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass es einen solchen Aufwand gibt, um die Sicherheit dieser Personen zu gewährleisten, aber vielleicht gäbe es da schon Alternativen.
Während des WEFs 2017 hielten sich ca. 12.000 Personen zusätzlich in Davos auf. Dadurch waren doppelt so viele Personen hier, wie Davos ständige Einwohner hat. Dadurch sind Unfälle und Chaos vorprogrammiert, sowie es sehr gut passieren kann, dass die örtliche Infrastruktur überlastet wird, oder gar zusammenbricht.
Zudem ist es ein Phänomen, dass es immer in der WEF-Woche schneit und das Chaos noch grösser wird. Es wäre aber für das Militär um einiges einfacher, die vielen Gitter und Gebäude ohne Schnee aufzustellen und wieder abzubauen. Doch gemäß Aussage der Sicherheitsangestellten, sei es um einiges sicherer, wenn Schnee in Davos liegt, da der Schnee die Pässe schon größtenteils unüberwindbar macht.
Letztes Jahr war das WEF wegen der Epidemie im Frühling. Das Militär soll mehrere 100.000 Franken an (Sicherheits)kosten gespart haben, weil weniger Ressourcen für das Absichern von Davos benötigt wurden.
Die größten Risiken seien Terrorismus, Cyberbedrohungen, Extremismus und der verbotene Nachrichtendienst, sagte der Sicherheitsverantwortliche und Kommandant der Kantonspolizei Graubünden, Walter Schlegel. Zudem stelle der Luftraum in Bezug auf die Weltliche Lage ein grosses Sicherheitsrisiko dar.
Etwas, das meiner Meinung nach sehr schlecht gemacht wurde, war die Aufklärung und Informierung der Einwohner; Jährlich, als das WEF in Davos stattfand, wurde ein spezieller WEF-Fahrplan veröffentlicht und in den Bussen bereitgestellt. Dieses Jahr habe ich im Voraus keinen einzigen WEF-Fahrplan gesehen oder gar eine Information über die Info-Bildschirme des Busses bekommen, dass es einen WEF-Fahrplan geben wird und wo man diesen sehen könne.
So zeigt sich, dass das WEF durchaus wichtig ist, beispielsweise für das Image von Davos, aber auch finanziell für die ganze Schweiz. Dass das WEF im Winter stattfinden soll, ist ein umstrittener Gedanke. Einerseits würden im Sommer Kosten gespart werden, es gäbe weniger Verkehrschaos, da man sich mit dem Fahrrad fortbewegen kann oder einfach nur schon, weil es keinen Schnee hat, und es wäre einfacher die provisorischen Gebäude, ohne den Schnee aufzustellen. Andererseits aber könne im Winter die Sicherheit besser gewährleistet werden und vor allem widerspiegelt es eher das imaginäre Bild von Davos.
Aber Davos könnte noch einige Dinge verbessern, beispielsweise die (jungen) Einwohner besser zu Informieren oder vielleicht etwas mehr auf den Klimafaktor zu achten.
Mir gefällt das WEF aber trotzdem sehr, da Davos einfach mal lebendig und international wird, aus dem Winterschlaf erwacht und sich vielen anderen Menschen, Staatsangehörigen und Unternehmen präsentieren kann.
Textverarbeitung: Fabio Sprecher
Argumentation: Fabio Sprecher / Leo Guler