Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer "schrecklichen Tragödie", die "unaussprechlichen Schmerz" auslöse. Bei dem Absturz eines Hubschraubers in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Zu den Toten zählen auch Innenminister Denys Monastyrskyj, sein erster Stellvertreter und der Staatssekretär des Ministeriums. An Bord der Maschine des französischen Typs "Super Puma" befanden sich laut offiziellen Angaben neun Menschen, am Boden wurden demnach weitere fünf Personen getötet, darunter ein Kind. Die Absturzursache ist unklar. Diese soll nun eine Kommission klären.

Neben all den Kondolenzen - so drückten etwa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen oder in Österreich Kanzler Karl Nehammer ihre Betroffenheit aus - gab es auch Kritik an dem Flug. Nämlich daran, dass der Innenminister gemeinsam mit hochrangigen Beamten in einem Hubschrauber gesessen war, was von Anfang ein hohes Sicherheitsrisiko darstellte. Zumal das Innenministerium gerade in Kriegszeiten ein entscheidendes Ressort ist, dem Polizei, Nationalgarde und Geheimdienst unterstehen.

Damit ist dieses Ministerium zumindest teilweise für die Sicherung des Hinterlandes verantwortlich. An der Front selbst wurden auch am Mittwoch Kämpfe gemeldet. Laut dem ukrainischen Militär hätte Russland im Osten des Landes knapp 30 Ortschaften beschossen. Auch die Kleinstadt Soledar sei wieder beschossen worden. Russland behauptet, die kleine Bergbaustadt, die in der Nähe von Bachmut liegt, erobert zu haben. Die Ukraine bestreitet dies.

Die Nato geht jedenfalls davon aus, dass der Krieg nicht schnell zu Ende gehen wird. "Putin bereitet sich auf einen langen Krieg vor", sagte der stellvertretende Generalsekretär Mircea Geoana am Dienstag zum Auftakt einer zweitägigen Sitzung des Militärausschusses des westlichen Verteidigungsbündnisses.

Kanada liefert 200 Panzer an die Ukraine

Dass Putin selbst nicht nachlassen will, darauf deuten am Mittwoch getätigte Aussagen des russischen Präsidenten hin. Der Sieg der russischen Streitkräfte sei "unvermeidlich", sagte er zu Arbeitern bei einem Besuch in einer Rüstungsfabrik.

Auch Geoana verwies darauf, dass Putins Regime neben der Mobilisierung von 200.000 Soldaten die Rüstungsproduktion gesteigert habe und weiter Waffen bei autoritären Regimes wie dem Iran einkaufe.

Diese Aussicht hat die Forderungen nach ausgiebigeren Waffenlieferungen an die Ukraine noch einmal lauter werden lassen. Vor allem, inwieweit und welche Panzer geliefert werden, war zuletzt Gegenstand von Diskussionen. Am Mittwoch gab nun Kanada bekannt, dass es 200 Panzer des Typs Senator an die Ukraine liefern werde. Diese dienen vor allem dem Transport.

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand zuletzt aber Deutschland. Die Ukraine wünscht sich die Lieferung westlicher Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2" aus deutscher Produktion. Dieser kommt in vielen Nato-Staaten zum Einsatz. Auch immer mehr westliche Verbündete machen Druck auf Berlin, und auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erneuerte am Mittwoch seine Forderung, der Ukraine weitere schwere Waffen zur Verfügung zu stellen.

Auch wenn Deutschland nun mit Boris Pistorius einen neuen Verteidigungsminister hat, obliegt die Entscheidung über Waffenlieferungen letztlich Kanzler Olaf Scholz. Dieser wurde aber beim Weltwirtschaftsforum in Davos wenig konkret, was das weitere Vorgehen seines Landes in dieser frage betrifft. Stattdessen konzentrierte sich der SPD-Politiker in seiner Rede vor allem auf Deutschlands Energiewende. Er betonte aber, dass Russland mit seiner Aggression keinen Erfolg haben dürfte.

Vielleicht war das schon ein Fingerzeig, bevor sich am Freitag im deutschen Ramstein eine Gruppe westlicher Staaten trifft, um ihre Unterstützung für die Ukraine abzusprechen. Scholz sollte in Davos auch noch Selenskyj und andere hochrangige Politiker treffen. Das Wirtschaftsforum ist schließlich immer auch eine Gelegenheit für Politiker, sich abzusprechen.

Kiew will Waffen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf der internationalen Gemeinschaft zu langes Zögern vor. "Die Zeit, welche die freie Welt zum Denken benötigt, wird vom Terrorstaat (Russland) zum Töten genutzt", sagte Selenskyj am Mittwoch in Davos in einer Videoansprache. Aktuell gehe es insbesondere darum, Russland bei dessen militärischer Mobilmachung zuvorzukommen.

Selenskyj forderte: "Die Belieferung mit westlichen Kampfpanzern muss einer nächsten Invasion mit russischen Kampfpanzern zuvorkommen." Das betreffe auch die Bereitstellung von Flugabwehrsystemen. Diese müssen vor den "nächsten russischen Raketenangriffen kommen".

Selenskyj kritisierte, dass nach dem russischen Überfall am 24. Februar 2022 mehrere Tage verstrichen seien, bevor die ersten Sanktionen verhängt wurden. Im Jahr 2014 sei auf die russische Annexion der Krim noch zögerlicher reagiert worden. "Die Welt darf weder heute noch irgendwann zögern", mahnte Selenskyj. Russland kontrolliert einschließlich der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim gut 18 Prozent des ukrainischen Territoriums. Für eine erfolgreiche Gegenoffensive zählt Kiew auf die Lieferung Hunderter Kampfpanzer aus dem Westen. (red/apa/reu)